Jan 10

ALKANTARA Team stellt sich vor …

Wer sind wir?!

Wir sind eine Gruppe von Studenten und Absolventen aus Düsseldorf und Umgebung, die ein Magazin gegründet haben. Das Magazin heißt „ALKANTARA“, ein arabisches Wort, was zu Deutsch “die Brücke” bedeutet. Wir stammen ursprünglich aus unterschiedlichen Ländern, die weitgefächert zwischen Indonesien und Marokko liegen.

Wir möchten in Deutschland neue Brücken zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen aufbauen und vorhandene weiter verstärken. Vor allem liegt es in unserem Interesse, Vorurteile gegenüber Muslimen abzubauen und ein Vertrauen zwischen der muslimischen und nicht – muslimischen Bevölkerung zu schaffen. Darum haben wir es als unsere Pflicht angesehen, das Bild des Islams in einem Magazin so darzustellen, wie es der Wahrheit entspricht.
Der Grund dafür ist, dass Ehrlichkeit und Transparenz langfristig zu einem besseren Verständnis und somit zu mehr Toleranz und Akzeptanz führen. So haben wir bereits in der ersten Ausgabe die Themen „Jihad“ und „Terrorismus“ aufgegriffen.

Nun haben wir mittlerweile 6 Ausgaben herausgegeben, und möchten unsere Mission fortsetzen und Themen behandeln, die den Islam in seiner schönen Wahrheit präsentieren.

Kontakt gerne unter:

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Email: info@alkantaramagazin.de

Euer ALKANTARA Team

Jan 21

Badr Schlacht und die Lehren daraus

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Nov 06

Neu! ALKANTARA Radio – Quran 24 Stunden

  • •••Alkantara Radio-Quran 24 h•••

    So kannst du das Radio hören:
    Wir empfehlen die kostenlose App „Radio.de“, weil man dort immer den Namen des Rezitators und die gelesene Sure sehen kann. Außerdem gibt es da viele tolle Funktionen wie „sleeptimer“.
    Einfach die app „Radio.de“ oder „Tunein“ kostenlos runterladen und nach „Alkantara“ suchen.

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    Wa Assalamoaleikom,
    Euer Radio-Team

Jul 27

Hadith des Monats

Hadith des Monats

Abu Zaid Usama ibn Zaid ibn Haritha (r.) berichtete: Ich hörte den Gesandten Allahs (s.a.s.) sagen: “Am Tage des Gerichts wird eine bestimmte Sorte Mann gebracht und in die Hölle geworfen werden. Seine Eingeweide werden dort aus seinem Bauch herausbrechen, er wird sie festhalten und taumelnd im Kreise gehen, wie ein Esel, der in der Mühle den Mühlstein dreht. Die Bewohner der Hölle werden zu ihm kommen und sagen: ‘O Soundso! Was ist mit dir? Hast du nicht die Leute dazu aufgefordert, Gutes zu tun und ihnen Schlechtes verboten?’ Er wird sagen: ‘So ist es. Ich forderte sie auf, Gutes zu tun, aber ich tat es selbst nicht, und ich verbot ihnen, Schlechtes zu tun, aber ich tat es selbst’”. (Hadith überliefert bei Bukhari und Muslim)

 

Welch eine große Demütigung erfährt man im Jenseits, wenn man, wie heißt es so schön, “Wasser predigt, aber Wein trinkt”. Jemand, der sich nicht an die islamischen Gebote und Verbote hält, die er selbst anderen nahegelegt hat, bekommt eines der größten Strafen in der Hölle. Und das zu Recht. Denn eine Person, die im Diesseits den Status eines “Gelehrten” innehält, sollte eigentlich wegen seinem großen Wissen über die Religion zur Gottesfurcht kommen. Wenn er trotz seines großen Wissens über die Strafen im Jenseits weiterhin ins Geheimen sündigt, ist das ein Akt der Arroganz und deshalb sollte so eine Person sich nicht wundern, warum er zu den großen Verlieren im Jenseits zählen wird.

Jul 26

Eine Hijabi ist besser als eine Nicht-Hijabi

 

 

Hijabi ist besser als eine Nicht-Hijabi?!

 

Wer sind wir, dass wir uns erlauben eine solch plumpe Aussage zu machen?

Der Hijab ist zweifelsohne eine Pflicht, wie Allah im Qur’an sagt:

„Sag zu den gläubigen Männern, sie sollen ihre Blicke senken und ihre Scham hüten. Das ist lauterer für sie. Gewiss, Allah ist Kundig dessen, was sie machen. Und sag zu den gläubigen Frauen, sie sollen ihre Blicke senken und ihre Scham hüten, ihren Schmuck (arab. Zina) nicht offen zeigen, außer dem, was (sonst) sichtbar ist. Und sie sollen ihre Kopftücher (arab. bi Chumurihinna) auf den Brustschlitz ihres Gewandes schlagen und ihren Schmuck nicht offen zeigen, außer ihren Ehegatten, ihren Vätern, den Vätern ihrer Ehegatten, ihren Söhnen, den Söhnen ihrer Ehegatten, ihren Brüdern, den Söhnen ihrer Brüder und den Söhnen ihrer Schwestern, ihren Frauen, denen, die ihre rechte Hand besitzt, den männlichen Gefolgsleuten, die keinen (Geschlechts)trieb (mehr) haben, den Kindern, die auf die Blöße der Frauen (noch) nicht aufmerksam geworden sind. Und sie sollen ihre Füße nicht aneinanderschlagen, damit (nicht) bekannt wird, was sie von ihrem Schmuck verborgen tragen. Wendet euch alle reumütig Allah zu, ihr Gläubigen, auf dass es euch wohl ergehen möge!“ (Sure  24, Vers 30-31)

An anderer Stelle sagt Allah:

„O Prophet, sag deinen Gattinnen und deinen Töchtern und den Frauen der Gläubigen, sie sollen etwas von ihrem Überwurf (arab. Dschalabib, Pl. Dschilbab) über sich herunterziehen. Das ist eher geeignet, dass sie erkannt (nämlich als freie, ehrbare Frauen) und so nicht belästigt werden. Und Allah ist Allvergebend und Barmherzig.“ (Sure  33, Vers 59)

Zudem:

„Und für diejenigen unter den Frauen, die sich zur Ruhe gesetzt haben’ und nicht mehr zu heiraten hoffen, ist es keine Sünde, wenn sie ihre Gewänder ablegen, ohne jedoch ihren Schmuck zur Schau zu stellen. Doch sich (dessen) zu enthalten, ist besser für sie. Und Allah ist Allhörend und Allwissend.“ (Sure  24, Vers 60)

 

In einem Hadith wird von Safiyyah bint Shaybah berichtet, dass ‘A’isha sagte:

„Als folgende Verse offenbart wurden ‘und dass sie ihre Tücher über ihre Juyoobihinna ziehen sollen (z.B. ihren Körper, Gesicht, Hals und Busen)‘ – nahmen sie ihre Izaars (Ein Teil vom Kleidungsstück) rissen ein Teil von der Ecke ab und bedeckten/ verhüllten ihre Gesichter damit.” (Al-Bukhari, 4481)

In einem anderen Hadith wurde berichtet, dass ‘A’isha sagte:

„Wenn die Reiter an uns vorbei zogen, während wir mit dem Gesandten im Ihram Zustand waren, und als sie sich uns näherten, warfen wir unsere Jilbabs über unsere Köpfe und Gesichter, dann, wenn sie weggegangen waren, haben wir sie wieder weggenommen (die Bedeckung).“ (Abu Dawood, 1833; Ibn Maajah, 2935)

Sheikh Muhammad Amin al Shinqiti berichtet:

„Wie bei Ibn Hajar in seinem Werk ‘Fath al Bari‘ vorzufinden ist, das jener von ‘A’isha berichtet:

‘Die Frauen der Quraish sind gut. Aber bei Allah habe ich niemanden gesehen der besser ist, gläubiger oder stärker in seinem Glauben bezüglich dem Buche Allahs als die Frauen der Ansaar. Als der Teil von Surat an-Noor offenbart wurde, in dem es heißt ‚[…] Und sie sollen ihre Kopftücher auf den Brustschlitz ihres Gewandes schlagen […]‘, rezitierten ihre Männer ihnen was offenbart wurde. Es gab keine Frau die nicht dem gemäß handelte und am nächsten Morgen so betete als ob schwarze Krähen auf ihren Köpfen saßen (aufgrund ihrer Stille und Keuschheit).’

So kann daraus gezogen werden, dass sie den Vers so verstanden, dass es Pflicht für sie ist ihre Gesichter zu bedecken. Dies taten sie aus der Stärke ihres Imans heraus. Deshalb ist es merkwürdig, dass Leute, die behaupten, dass sie Wissen haben, sagen, dass es doch nichts im Qur’an oder in der Sunnah gibt, was den Frauen vorschreibt, ihre Gesichter vor einem Nicht-Familienmitglied zu verbergen, wenn dies doch die Tat der Frauen der Sahaba war.“ (‘Adwa al Bayan 6/594)

Auch Sheikh al Islam Ibn Taymiyyah sagt:

„Der Unterschied der Kleidung von Mann und Frau liegt darin, dass in den Befehlen nur Gutes für sie (die Frauen und auch die Männer) vorhanden ist. Den Frauen ist es also befohlen sich zu bedecken und zu verhüllen. Sie sollen sich nicht offen zeigen und fernbleiben von Freizügigkeit.” (Majmu’ al Fatawa 22/148)

 

Wie viele weitere Ahadith gibt es, die die Pflicht des Hijabs für die Frauen offenlegt? Jedoch wollen wir uns zunächst hiermit zufrieden geben. Diese sollten ausreichen, um zu zeigen, dass das Thema sehr wohl im Qur’an und in den Ahadith behandelt wird, anders als viele Islam-Gegner zu behaupten versuchen, es wird nicht angesprochen. Was das Bedecken des Gesichts angeht gibt es Meinungsunterschiede. Hierauf möchte ich jedoch nicht eingehen.

Das Thema, welches mich jedoch beschäftigt ist die Art und Weise, wie man über Frauen und junge Mädchen denkt, die den Hijab nicht zu praktizieren begonnen haben. Man denkt, sie würden ihren Körper, ihre Reize zur Schau stellen wollen. Man denkt über sie schlecht und sieht sie als medienmanipulierte Wesen, die der Männerwelt gefallen wollen. Man sieht einen weiblichen Körper und nichts dahinter. Man sieht eventuelle innerliche Kämpfe nicht, sieht nicht, die Hürden, die die Mädchen überwinden müssen. In welch einer einfachen Gedankenwelt man sich befindet, dass man nur sieht, was man sehen will.

Und wie viele Frauen gibt es, die den Hijab tragen, es aber nicht aus freien Stücken tun? Frauen, die vom Staat, von der Gesellschaft, von der Familie, von dem Ehemann gezwungen wurden, es selber aber nie wollten. So sagte eine Bekannte: „Mir gefällt es nicht. Wäre ich nicht im Iran aufgewachsen, hätte ich es niemals getragen. Ich finde, es sollte entweder jede Frau den Hijab praktizieren, oder keine.“ Wer hätte das gedacht? Nicht immer sagt die Verpackung etwas über den Inhalt aus.

Mädchen, die sehr früh damit angefangen haben, meist schon im Kindesalter, wissen oft nicht, was die tiefe Bedeutung dahinter eigentlich ist. Sie haben es an ihren Müttern, an ihren Tanten und an den Cousinen gesehen und wollten ihnen nachahmen. Oder die Eltern haben den Wunsch geäußert und die Mädchen sind dem nachgegangen. Ich kenne leider viele, die im Laufe der Zeit gänzlich auf die Bedeckung verzichtet haben, da man nie gelernt hat, welchen islamischen Hintergrund es hat. Es wurde immer als Teil der Kultur gesehen und so aufgenommen, was falsch ist.

Auf der anderen Seite: wie viele Mädchen gibt es, die anfangen wollen, den Hijab zu praktizieren? Sie werden jedoch aufgehalten von der Familie, von Bildungsinstitutionen. Sie haben innerliche Kämpfe, befinden sich im Jihad mit dem eigenen Nafs und haben ihn noch nicht bezwungen. Jeder von uns hat in irgendeinem Bereich des Lebens mal einen inneren Kampf gehabt. Man will sich für Deen entscheiden, hat jedoch noch nicht den Mut dazu der Dunya abzusagen. Wie viele Familien gibt es, die nicht praktizieren und ihren Töchtern und Söhnen das Gebet und das Fasten verbieten, geschweige denn die islamische Bedeckung. Ich selber komme aus einem Haushalt, in dem die Religion als sehr nebensächlich gesehen wird. Praktiziert wird nur an Ramadhan, wenn überhaupt. Man ist mehr auf die Kultur fixiert. Von islamischer Bedeckung keine Sicht. Es war ein großer Kampf den Eltern in dem Aspekt den Rücken zu zeigen und mit dem Praktizieren des Hijabs anzufangen. Und mit jedem Tag hat man mehr gelernt, hat man mehr praktiziert. Ich kenne Schwestern, die sagen, dass sie erst mit dem Hijab beginnen wollen, wenn sie „fehlerfrei“ sind. Sie wollen erst die Gebete pünktlich verrichten können, sie wollen erst das Lügen vermeiden und aufgeben, sie wollen erst die gute Rede lernen und sich komplett auf Deen konzentrieren und dann, als i-Tüpfelchen, den Hijab praktizieren. Aber ich frage mich: Ist das die korrekte Vorgehensweise? Ich habe gemerkt, dass ich durch mein islamisches Auftreten viel selbstbewusster geworden bin. Ich habe mich selber jede Minute als Muslima, als Gottes Dienerin erkannt und habe versucht immer dementsprechend zu handeln. Der Hijab kann eine Erinnerung für jede Frau sein. Eine Freundin hat mal (sinngemäß) gesagt: „Der Hauptgrund für den Hijab ist: Allah hat es so vorgeschrieben. Weitere Gründe sind positive Nebeneffekte“ Es schützt vor Blicken. Es zeigt, dass man sich zur Religion bekennt und man wird als Muslima erkannt. Wie schön es nur ist, wenn man einer weiteren Glaubensschwester auf der Straße den Salaam gibt oder diesen von ihr bekommt. Das war eine der schönsten Erfahrungen, die ich in den ersten Tagen gemacht habe. Zudem zeigt es, dass man nicht auf das Äußerliche reduziert werden möchte. Frauen sind keine Objekte (der Begierde), sondern intellektuelle Wesen. Es zeigt dem anderen Geschlecht seine Grenzen an und verdeutlicht den Wert der Frau.

Und wie viele Schwestern gibt es, die den Hijab „praktizieren“, es aber doch nicht tun. Schwestern, die ein Kopftuch tragen und dabei enge Jeans anziehen, sich aufreizend schminken, sich parfümieren, unbedenklich rauchen, mit dem anderen Geschlecht offen spaßen, die Augenbrauen zupfen, kurze Sachen anziehen etc.

Es wurde berichtet, dass der Prophet ﷺ sagte:

„Es gibt zwei Arten der Bewohner der Hölle, die ich noch nicht gesehen habe: Männer mit Peitschen wie die Schwänze von Rindern, mit denen sie die Menschen schlagen, und Frauen, die bekleidet und doch nackt sind, mit einem verführerischen Gang laufen und mit etwas auf ihrem Kopf, das aussieht wie der Höcker von Kamelen, sich auf eine Seite neigend. Sie werden niemals das Paradies betreten oder auch nur dessen Duft riechen, obwohl sein Geruch aus Der-und-Der Entfernung wahrgenommen werden kann.“ (Ahmad & Muslim)

Ibn Mas’ud sagte:

„Allah verfluchte diejenigen Frauen, die andere Frauen tätowieren, sich tätowieren lassen, Haare von ihren eigenen Augenbrauen oder von den Augenbrauen anderer Frauen auszupfen, ihre Zähne abfeilen lassen, um deren Zwischenräume kosmetisch zu vergrößern, und dadurch Allahs Schöpfung zu ändern pflegen.“ Dann sagte er: „Sollte ich nicht diejenigen verfluchen, die der Gesandte Allahs (Frieden und Segen Allahs seien auf ihm) verfluchte, wenn im Qur’an steht (ungefähre Bedeutung): ‚[…] Und was euch der Gesandte gibt, das nehmt, und was er euch verwehrt, das lasst sein […]’ (Sure  59, Vers 7)” (Fatawa al-Lajnah al-Da’imah, 5/179)

Abu Sa’id al-Khudri berichtet, dass Muhammad ﷺ gesagt hat:

„Jede Frau, die an Männern vorbeigeht und diese an ihr Düfte wahrzunehmen können, ist so und so.“ So sagte es der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken. Der Überlieferer dieses Hadith hat gesagt: „Das heißt, sie ist eine Unzucht-Treiberin.” (Abu Dawood, 4173; Al-Tirmidhi, 2786)

Niemand von uns hat das Recht über eine Schwester zu urteilen, die kein Hijab trägt. Gebe ihr Da’wah und helfe ihr, den richtigen Weg zu erkennen, meide es jedoch, schlecht über sie zu reden. Nur Allah weiß, was in ihrem Herzen verborgen liegt. Sie mag sich vielleicht (noch) nicht bedecken, jedoch kann sie mehr Pflichtgebete aufweisen, als du. Du magst dich vielleicht bedecken, aber du denkst schlecht über deine Geschwister, verbreitest schlechte Rede, verbreitest bei deinen Glaubensschwestern nicht den Salaam, bist hochmütig und denkst, du seist besser als sie, weil dein Stoff länger ist, weil du Niqab trägst, statt („nur“) Hijab oder weil du mehr Juz’ auswendig kannst, als deine Nachbarin.

Möge Allah uns alle rechtleiten und uns das Praktizieren leicht fallen lassen. Möge Er unsere Herzen reinigen von Schlechtem und möge Er den Schwestern helfen, die den Hijab praktizieren wollen, aber daran gehindert werden. Möge Allah uns helfen, unsere Niyya rein zu halten und unser Handeln rein nach seinem Wohlgefallen auszurichten. Möge Er die Ummah vereinen und den Hass, die Arroganz, sowie die schlechten Eigenschaften aus unseren Herzen nehmen. Allahumma Ameen!

Jul 25

Verhalten der Ansaar gegenüber Flüchtlingen aus Mekka

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Flüchtlinge

 

Das Verhalten der Ansaar gegenüber den Flüchtlingen aus Mekka

 

Was ihr im folgenden lesen werdet, sind weder Märchen noch Legenden. Wären diese Geschichten nicht aus authentischen Überlieferungen zu uns gekommen, hätte kaum einer die geglaubt. Muslime würden sich sicher dafür interessieren zu wissen, wie die Sahaba (Gefährten des Propheten) Flüchtlinge empfangen haben, vor allem in dieser Zeit, in der wir tagtäglich mit Flüchtlingstragödien konfrontiert werden. Denn sie sollten unsere Vorbilder sein.

 

Der Empfang der Mohajeron (Flüchtlinge aus Makka) von den Ansaar (Einwohner von Madina) ist eines der bedeutendsten Beispiele für die Gastbarmherzigkeit, Menschenliebe und Hilfsbereitschaft, die die Menschheit je kannte. Allah hat sie sogar im Qur’an für ihr edleres Verhalten gelobt. Er sagte in Surat Al-Haschr Vers 9: „Und diejenigen, die in der Wohnstätte und im Glauben vor ihnen zu Hause waren, lieben (all die,) wer zu ihnen ausgewandert ist, und empfinden in ihren Brüsten kein Bedürfnis nach dem, was (diesen) gegeben worden ist, und sie ziehen (sie) sich selbst vor, auch wenn sie selbst Mangel erlitten. Und diejenigen, die vor ihrer eigenen Habsucht bewahrt bleiben, das sind diejenigen, denen es wohl ergeht”

 

Die Ansaar (Sahaba aus Medina) haben die Flüchtlinge aus Mekka besser behandelt als ihre eigenen Kinder. Der Prophet, Segen und Frieden auf ihm, hat aus denen richtige Geschwister gemacht. Jeder Flüchtling wurde dann von einem Medinenser betreut. Der Ansari kam zu dem Mekkaner und sagte: “Hier ist mein ganzes Geld, ich lege es vor dir, nimm die Hälfte davon. Das sind meine Grundstücke, Kamele etc, ich teile sie mit dir. Wenn du unverheiratet bist und heiraten möchtest, verheiraten wir dich ohne von dir irgendwas zu verlangen.” Die Medinenser wollten die Flüchtlinge so gerne bei sich Zuhause aufnehmen, dass sie sogar per Losverfahren entschieden, wer von denen, den einen Flüchtling aufnehmen darf.

 

Jeder von uns soll sich einmal vorstellen, selber in der heutigen Situation des Flüchtlings zu sein. Alles hinter sich in der Heimat lassen zu müssen, Geld, Familie, die schönen Erinnerungen, das Land selbst und sich auf einer Reise voller Gefahren machen zu müssen, um ein bestimmtes fremden Land zu erreichen. Und wenn er dann zu diesem Land tatsächlich angekommen ist, begegnet er Feindschaft, Hilflosigkeit und Einheimische, die ihn ungern in ihrem Land haben möchten. Wie würden wir reagieren, wenn diese bedürftigen Flüchtlinge unsere Eltern, Kindern, Tanten und Onkeln wären. Würden wir nicht wünschen wollen, dass sie so ähnlich wie die Mekkaner von den Medinenser behandelt werden?

 

Der Prophet, Segen und Frieden auf ihm, hat die Ansaar für ihr großartiges Verhalten gegenüber den Flüchtlingen aus Mekka in mehreren Ahadithe gelobt. Er sagte zu denen: „Bei Allah, ihr zählt zu denjenigen, die ich am meistens liebe. Ihr zählt zu den besten meiner Geliebten.“ Er wiederholte den selben Satz noch einmal um zu sagen, dass er das sehr ernst meint. (Sahih Muslim). In einem anderen Hadith sagte er, Frieden und Segen seien auf ihm: „Wer Al-Ansaar liebt ist ein Mo’men (Gläubiger) und wer sie nicht liebt, ist ein Munafiq (Heuchler), wer sie liebt, wird von Allah geliebt und wer sie nicht liebt, wird von Allah nicht geliebt“ (Al-Buchari).

 

Liebe Geschwister, wir können ähnliche Lobwörter vom Propheten, Segen und Frieden auf ihm, verdienen, wenn wir zu unseren Geschwister stehen, die Zuflucht bei uns suchen, und für sie immer da sind, sie betreuen, ihnen helfen und auf ihre Wünschen eingehen und ihre Bedürfnisse berücksichtigen, genauso wie die Ansaar für die Mekanner da gewesen sind. Möge Allah uns zu den Besten werden lassen und uns dabei helfen, hilfsbereite Menschen zu werden – Amin.

Jul 23

‘Umar Ibn al-Khattab und Abu Jahl

Islam ‘Umar Abu Jahl

Ähnlich und doch grundverschieden -‘Umar Ibn al-Khattab und Abu Jahl


Wer den Namen unseres zweiten rechtgeleiteten Kalifen und großen Vorbildes für alle gerechten Herrscher in einem Atemzug mit dem größten Tyrannen seiner Zeit genannt hört, den mag große Verwunderung überkommen. Folgt dann noch die Behauptung, ‘Umar Ibn Al-Khattab (ra) und Abu Jahl wären sich in vielerlei Hinsicht ähnlich gewesen, überkommt einen berechtigtes Erstaunen. Doch tatsächlich, wer die Biografien beider studiert, wird verblüffende Parallelen in Charakterzügen und Eigenschaften feststellen. Beide waren sich in ihrer Kraft, Stärke und ihrem Einfluss auf ihre Gesellschaft so ähnlich, dass der Gesandte Allahs (Frieden und Segen auf ihm)  – als der Islam noch schwach war – Allah darum bat, dass Er entweder ‘Umar oder Abu Jahl rechtleiten möge, auf dass der Islam und die Muslime durch sie Stärke fänden:
‘Abdullah Ibn ‘Abbas berichtet, dass der Gesandte Allahs (Frieden und Segen auf ihm) sagte: „‚Oh Allah, stärke den Islam mit Abu Jahl Ibn Hisham oder mit ‘Umar Ibn Al-Khattab.‘ Am Morgen ging ‘Umar zum Propheten und nahm den Islam an, sodann betete er öffentlich in der Moschee“ (überliefert bei den Imamen Ahmad und At-Tirmidhi).

Es waren schließlich die Lebenswege, die ‘Umar (ra) und Abu Jahl jeweils für sich wählten, welche den zweitengsten Gefährten des Gesandten Allahs und den ärgsten Feind des Propheten (saw) dann doch grundverschieden machten. Ihre Schicksale mögen ähnlich begonnen haben, nahmen aber einen Lauf, der gegensätzlicher nicht hätte sein können.

‚Amru Ibn Hisham

„Abu Jahl“ war der sich später, aufgrund seiner großen Ignoranz gegenüber dem Islam, verdiente Beiname von ‘Amru Ibn Hisham. Er wurde ca. 556 n.Chr. geboren und sollte im Alter von 68 Jahren auf erniedrigende Art sterben. Er blieb bis zu seinem Lebensende Mushrik. Jedoch war er nicht irgendein Götzenanbeter, vielmehr gehörte er zu den größten Führern der Quraish und war gleichzeitig einer der bösesten Feinde des Propheten (Frieden und Segen auf ihm). ‘Amru Bin Hisham sollte sich einen Namen machen als Rädelsführer der Hetze, Propaganda sowie Verfolgung der Muslime und des Islam. Seine Niedertracht und sein Hass waren so ausgeprägt, dass er vom Gesandten Allahs (Frieden und Segen auf ihm) den Titel “Pharao dieser Ummah” verliehen bekam.

Ursprünglich lautete die Kunya (Beiname) von ‘Amru Bin Hisham „Abu al-Ḥakam“ (Vater der Weisheit). Er war ein weiser, intelligenter und scharfsinniger Mann, der selbst von den Älteren der Quraish für diese Eigenschaften geschätzt wurde. Sein Scharfsinn war so stark ausgeprägt, dass er im Alter von nur 30 Jahren schon am Führungsrat der Mekkaner teilnahm, obwohl das reguläre Zugangsalter mindestens 40 Jahre betrug.

Mag ‘Amru Bin Hisham auch noch so intelligent gewesen sein, so sträubte er sich dennoch zeitlebens gegen den Islam und ließ sich von seiner Auffassungsgabe nicht zum Weg der Wahrheit führen. Ein Mann, der den Propheten Muhammad (Frieden und Segen auf ihm) persönlich erlebte, seine größten Gefährten schon aus der Kindheit kannte, Zeuge des Zeitalters der Offenbarung und des Qur’ans aus dem Munde des Gesandten Allahs wurde und sich danach entschied, zum Feind des Islam und aller Muslime zu werden, ist trotz allen Scharfsinns wahrlich ein Unwissender! So bekam er vom Propheten  persönlichen den schmachvollen Namen Abu Jahl (Vater der Unwissenheit) verliehen:

Der Gesandte sagte dazu: „Wer Abu Jahl Abul Hakam nennt, der hat einen schweren Fehler begangen. Er sollte dafür Allah um Vergebung bitten.“ (Ansabul-Ashraaf)

Abu Jahl war Abkömmling der Banu Makhzum, ein besonders edler und reicher Stamm. Vor allem aber war er der Onkel mütterlicherseits von ‘Umar Ibn al-Khattab. Obwohl Abu Jahl, wie alle Götzendiener, fest an Allah als Schöpfer glaubte, gesellte er Ihm jedoch nach dem Brauch der Quraish bei, betrieb Götzendienst und hielt an der Religion seiner Vorfahren verbittert fest. Die niederen Beweggründe für seine Ablehnung des Islam fasste er einmal zusammen, indem er sagte: “Wir konkurrierten mit den Banu Abd Manaf in allem, um gesellschaftliche Stellung und einen hohen Rang zu erhalten. Sie speisten die Leute, so speisten auch wir die Leute. Sie gaben Spenden, so gaben auch wir Spenden. Sie kümmerten sich um die Menschen, so taten wir es auch. Dies ging so lange, bis wir die gleiche Stellung erlangten. Doch jetzt behaupten sie: ‚Aus uns geht ein Prophet hervor, der Offenbarung vom Himmel erhält.‘ Wie können wir da mithalten? Bei Allah, wir werden nie an ihn glauben und niemals seine Botschaft annehmen!“

So wie bei allen anderen Quraishiten galt die Verweigerung Abu Jahls viel weniger der Wahrhaftigkeit des Islam, als der absehbaren gesellschaftlichen Veränderungen: Der Islam stellte eine Gefahr für die gesellschaftliche Hierarchie Mekkas dar, denn er war bestrebt, alle Muslime – selbst Herren und Sklaven – zu Geschwistern zu machen. Abu Jahl sah im Islam eine Bedrohung seiner Macht. So war ihm selbst Folter bis zum Tod als Mittel recht, um die Menschen vom Islam abzuhalten. Er gehörte zu jenen, die die Muslime vor der Auswanderung in die offene Wüste trieben und sie dort boykottierten. Er war später jener, der den Boykott unbedingt aufrechterhalten und dazu das Zerreißen des Boykott-Abkommens (welches längst – bis auf die Eingangsformel „Bismillah“ – von Ameisen zerfressen war) in der Kaaba verhindern wollte. ‚Abdullah Ibn Mas’ud (ra) berichtet auch, dass Abu Jahl einmal an der Kaaba die Eingeweide eines Kamels auf den Rücken des Propheten werfen ließ, als sich dieser in der Niederwerfung befand. Da lachten die Quraish hämisch. Als Fatima den Dreck von ihrem Vater entfernt hatte, sprach der Prophet (Frieden und Segen auf ihm) ein Bittgebet gegen die Übeltäter: „Oh Allah, bestrafe die Quraish! Bestrafe Abu Jahl, ‚Utba Ibn Rabi’a, Shaiba Ibn Rabi’a, Al-Walīd Ibn ‚Utba, Umaiya Ibn Khalaf und ‚Uqba Ibn Abi Mu’it“. Alle Erwähnten wurden später in der Schlacht von Badr getötet! Als der Prophet  von seiner Himmelreise berichtete, trommelte Abu Jahl schnell die Feinde des Islam zusammen, um den Gesandten Allahs vor den versammelten Mekkanern mit Gelächter und Pfiffen bloßzustellen. Er schmiedete schließlich sogar den Plan, den Propheten gemeinsam durch die Söhne aller Stämme töten zu lassen, welchem der Prophet durch seinen Aufbruch nach Medina zuvorkam.

So schändlich wie Abu Jahl lebte, so elendig fand sein Leben auch ein Ende. Tödlich verwundet fand ‚Abdullah Ibn Mas’ūd Abu Jahl am Tage der Schlacht von Badr bei seinen letzten Atemzügen, setzte den Fuß auf dessen Hals und fragte: “Hat Allah dich in Schande versetzt?” Abu Jahl antwortete, selbst im Sterben noch hasserfüllt und hochmütig: „Wie soll Allah mich beschämt haben? Bin ich denn irgendetwas Herausragenderes als ein Mann, den du getötet hast? Wie verlief die Schlacht?” Als ‘Abdullah Ibn Mas’ud ihm sagte, dass die Muslime gewonnen hatten, sprach Abu Jahl seine letzten Worte: “Du bist weit hochgeklettert, du kleiner Hirte!” Als der Prophet (Frieden und Segen auf ihm) später den leblosen Körper Abu Jahls auf dem Schlachtfeld liegen sah, sagte er: “Das ist der Pharao dieser Ummah.

‘Āmir ash-Sha‘bi (ra) berichtet: “Ein Mann kam am Schlachtfeld von Badr vorbei, als er den Körper eines Mannes aus dem Boden aufsteigen sah, hinter ihm ein Mann mit einer Keule. Der Mann mit der Keule schlug den anderen Mann, und zerrte ihn wieder unter die Erde. Dies geschah mehrmals hintereinander. Der Beobachter bekam Angst und berichtete es dem Propheten, welcher sagte: ‚Das war Abu Jahl Ibn Hisham. Er wird auf diese Weise bis zum jüngsten Tag gestraft werden!’ “

‘Umar Ibn Al-Khattab

Jeder Muslim, der sich mit der Sira des Propheten Muhammad (Frieden und Segen auf ihm) befasst hat, kennt ‘Umar Ibn Al-Khattab (ra) als dessen steten Begleiter, neben Abu Bakr (ra). Es gibt kaum jemanden unter den ehrenwerten Prophetengefährten, der seiner Umma so diente und ihr so nützlich war wie ‘Umar Ibn al-Khattab. Intelligenz, Scharfsinn, Führungsqualität, Weitblick, Konsequenz, Stärke, Kraft und Selbstbewusstsein, all diese Eigenschaften beschreiben Abu Jahl und ‘Umar gleichermaßen.

‘Umar Ibn Al-Khattab (ra) war der Neffe von Abu Jahl und somit von gleichsam edler Abstammung. Er war gefürchtet unter den Menschen aufgrund seiner Statur, seiner Stärke, seines messerscharfen und strengen Charakters. Vor allem war aber auch er, genau wie der unsägliche Abu Jahl, von rasiermesserscharfem Verstand. Ursprünglich ein Gegner der neuen Botschaft des Islam, nahm ‘Umar etwa drei Jahre nach der Entsendung des Propheten im Haus seiner Schwester den Islam an, nachdem er dort einige Zeilen des Qur‘an vernommen hatte. So wurde ‘Umar innerhalb weniger Momente vom potentiellen Mörder des Gesandten Allahs zu dessen glühendstem Befolger. An jenem Tag machte sich ‘Umar auf den Weg zu Abu Jahl, den er als größten Feind des Islam kannte und sagte ihm höchstpersönlich, dass er den Islam angenommen hatte. ‘Umar, der Abu Jahl in vielerlei Hinsicht ähnlich gewesen war, hatte nun den richtigen Weg eingeschlagen. So viel Aufrichtigkeit konnte Abu Jahl wohl nicht ertragen und schlug ihm dafür die Tür vor der Nase zu.

Auch ‘Umar Ibn Al-Khattab (ra) bekam vom Propheten (Frieden und Segen auf ihm) höchstpersönlich einen Beinamen verliehen: „Al-Faruq“ (der Unterscheider zwischen Wahrheit und Unwahrheit, Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit). Denn wahrlich, niemand nach dem Gesandten Allahs war so konsequent und unnachgiebig, wenn es um Wahrheit und Gerechtigkeit ging! Abu Jahl war nicht minder intelligent als ‘Umar, widersetzte sich jedoch willentlich der Wahrheit, die niemand von den Mekkanern im Qur’an verkennen konnte und so verdiente er sich keinen ehrenvollen Beinamen, sondern sollte als „Pharao der Ummah“ in die Geschichte eingehen. Während Abu Jahl sich mit seinem Hochmut im festen Griff des Shaytan befand, war es ‘Umar, von genauso hoher Geburt und edler Abstammung, den der Shaytan mied und bei dessen Anblick er eilig die Straßenseite wechselte!

Abu Jahl trifft bis zum jüngsten Tag ein erniedrigendes Schicksal auf dem Schlachtfeld von Badr und was ihn danach erwartet, ist noch viel schrecklicher. Es wird auch berichtet, dass ‘Umar sich im Grab nicht von den furchteinflößenden Engeln Munkar und Nakir befragen lassen, sondern zurückgeben wird: „Wisst ihr denn nicht, wer mein und euer Herr ist?!“

Abu Jahl war stark und einflussreich, nutzte diese Eigenschaften jedoch für Unterdrückung und Unrecht. ‘Umar dagegen war der gerechteste Kalif, den diese Ummah jemals erleben durfte. Einmal schulterte er einen riesigen Sack Weizen ganz alleine. Da wollte ihm einer seiner Bürger helfen und ihm den Sack abnehmen, er sei ja immerhin der Führer der Muslime, Amir Al-Mu’minin! Der Kalif wurde wütend und fragte: „Wirst du etwa am jüngsten Tag auch meine Sünden schultern?“

Wie kann es bloß sein, dass zwei Menschen mit so ähnlichen Voraussetzungen und Eigenschaften so unterschiedlicher Wege gingen?

An der Gegenüberstellung dieser Persönlichkeiten wird deutlich, dass jedes Talent, jede Eigenschaft und jedes Geschenk von Allah, dem Allmächtigen, uns in die höchsten Höhen des Paradieses aufsteigen oder in die tiefsten Tiefen der Hölle hinabstürzen können! Ob Intelligenz, Stärke, Ansehen oder Scharfsinn, niemand außer Allah verleiht diese Eigenschaften. Kein Mensch hat sie sich selbst verdient. Die bohrende Frage lautet aber: Was machst du mit den Eigenschaften und Talenten, die Allah dir gegeben hat? Wie setzt du sie ein? Auf welcher Seite stehst du damit? Stellst du deine Intelligenz in den Dienst des Islam, oder wendest du sie gegen die Wahrheit? Widmest du deine Kraft und Stärke der Erhöhung von Allahs Worten? Oder nutzt du sie vielleicht nur zu deinem eigenen, weltlichen Vorteil?

Es gibt genug Menschen mit Potenzial und Talenten. Jeder Mensch ist auswechselbar, niemand unersetzlich. Weder brauchen Allah, noch sein Din unsere Intelligenz oder unsere Kraft. Wir sind darauf angewiesen, uns in den Dienst des Islam zu stellen! Wer sich dem verweigert, für den wird Allah schnell einen noch intelligenteren, scharfsinnigeren, stärkeren und konsequenteren Ersatz unter Seinen Dienern finden. Abu Jahl und ‘Umar (ra) hatten einen ähnlichen Start ins Leben, doch allein ‘Umar ergriff die Chance aufs Paradies, die Allah ihm bot! Und so wird jede Fähigkeit des Abu Jahl am jüngsten Tag die Waagschale seiner Schlechtigkeiten noch schwerer machen, während ‘Umar jede seiner Fähigkeiten auf die Waagschale seiner guten Taten wird legen können.

Mögen wir alle unsere Talente und guten Eigenschaften Dem Einen widmen, Der sie uns verliehen hat!

Jul 20

Austausch statt Hassparolen

Austausch International

Austausch statt Hassparolen

 

Sie kamen mit einer Tonschale und frischer Minze, mit langen Gewändern und gehäkelten Mützen, mit Kraft und Arbeitslust.
Sie brachten uns das Teekochen, aber vor allem das Leben neu bei, zeigten uns ihre Reis- und Fleischgerichte, ihre Suppen, ihre Lebensweise und ihre Religion. Sie etablierten sich in diesem Land und teilten mit ihren Obst- und Gemüseläden fern exotische Gerüche und Geschmäcke. Sie bevölkerten eine Straße, die Straße wurde zu ihrem Viertel. Düsseldorf empfing sie damals mit einem ,,Ahlan wa sahlan!“, doch ist heutzutage immer alles noch so ,,mlih“ wie einst damals?
Was jetzt wie eine Reportage mit dem Titel ,,Couscous, Tajine und Islam – Als die Marokkaner nach Deutschland kamen“ klingen mag, ist in Wahrheit meine persönliche Verbundenheit mit der marokkanischen Kultur sowie ein kleiner Appell an unsere Leser, als auch der muslimischen und nichtmuslimischen Bevölkerung dieses Landes.
Düsseldorf, Ellerstraße: Fährt man vom Mintropplatz aus unter die Unterführung und kommt unter der Brücke hervor, so scheint es, als sei man gerade kilometerweit gereist. Es würde nur ein Schild fehlen ,,Ahlan wa sahlan fi Maghribi“ oder: ,,Sie verlassen jetzt Düsseldorf, Herzlich Willkommen in Little Nador“, wie ich die Gegend selber nannte, bevor durch die Medien im Januar 2016 die Bezeichnung ,,Maghreb-Viertel“ auftauchte. Zu beiden Seiten erstrecken sich marokkanische Geschäfte: Obst-und Gemüseläden, Supermärkte, Bäckereien und Patisserien, Restaurants und Cafés, Reisebüros, Möbelgeschäfte, Buchhandlungen… Hier können Sie nicht nur frische Lebensmittel einkaufen oder die kulinarische Küche probieren, sondern Sie können abschalten, die Alltagssorgen der Großstadt Düsseldorf vergessen und ganz neue Begegnungen machen – geschmacklich, als auch sozial. Schließlich sind Sie ja im ,,Maghreb-Viertel“! Hätte ich sagen sollen, Sie können auch ganz andere Begegnungen machen? Ein Taschendieb, ein Drogendealer, ein Kleinkrimineller vielleicht? Oder ein sich illegal aufhaltender Asylant, ohne Papiere und Deutschkenntnisse, der nur darauf wartet zuzuschlagen? Nach dem Motto: ,,Erst greif ich mir sie, dann ihre Tasche“. Selbstverständlich ruft so etwas Empörung und Entsetzen hervor. So fühlen sich viele im Viertel an den Pranger gestellt, immerhin waren sie vor mehr als 30 Jahren nicht so bei ihrer Ankunft in ihrem ,,Almaniya“, welches mittlerweile für viele Alteingesessene wie eine zweite Heimat ist.
Jedoch kann ich Sie beruhigen: Diese eben erwähnten Personengruppen sind nur eine Minderheit! Die überwiegende Mehrheit der in Düsseldorf bzw. allgemein in Deutschland lebenden Marokkaner überzeugt durch ihre Gastfreundlichkeit und Hilfsbereitschaft und kommt mit ihren deutschen Nachbarn ohne Probleme zurecht. Es sind Menschen unterschiedlicher Herkunft, Kultur und Religion, die mit uns Deutschen Tür an Tür leben. Und der kulturelle Dialog funktioniert und zwar sehr gut! So bin ich, der vor knapp eineinhalb Jahren zum Islam konvertiert ist, gerne in der Gegend rund um die Ellerstraße, wo man Glaubensbrüder trifft, die man vom Sehen aus den Moscheen kennt, wo man mit alten Freunden im Restaurant bei einer Kanne Tee und einem leckeren Gericht über den Islam sprechen kann oder wo man in einer Patisserie kleine Kuchen und Törtchen für einen schönen Sonntagnachmittag mit den Eltern Zuhause holen kann. Kein Wunder, dass durch die Betreuung und liebevolle Aufnahme seit meiner Konversion, ich mich mittlerweile mehr und mehr mit der marokkanischen Kultur identifizieren kann, einige marokkanische bzw. berbische Wörter gelernt habe, im Restaurant ,,Al Baraka“ die Speisekarte auswendig kenne und mein Nachbar letztens zu mir meinte: ,,Du wirst bald ein Marokkaner!“ Düsseldorf, gekennzeichnet und bekannt für die Altstadt, den Rhein mit seinen Wiesen, den Fernsehturm und den Industrieanlagen von Henkel und Co, schafft Raum für den kulturellen Austausch sowie den interreligiösen Dialog mit seinem italienischen Viertel in Gerresheim, dem japanischen Viertel in Oberkassel, den vielen Afrikanern, die auch unter anderem auf der Kölner und Ellerstraße ihre Afro-Shops haben, der jüdischen Bevölkerung sowie der muslimischen Gemeinschaft mit dem KDDM und dem Tag der offenen Moscheen am 3. Oktober jeden Jahres.
Immanuel Kant, der bekannte Philosoph der Epoche der Aufklärung, forderte als Herstellung des ewigen Friedens eine große Republik, welche nach Weltfrieden strebt. Diese sollte durch die Öffnung der Grenzen zustande kommen, so dass der Wille nach Frieden hinausgetragen wird, es zu einer Versöhnung der entfernten Weltteile kommt und zum Anschluss weiterer Staaten. Wie für Kant typisch ist hierbei die Bedingung der Wille, die Vernunft, die Freiheit, die Moral, die Bildung, die Autonomie… Er sah ein großes und universelles Land vor Augen mit einer Staatsangehörigkeit und einer Nationalität, um die Unterschiede und Kommunikationsschwierigkeiten zwischen den unterschiedlichen Kulturen zu vermindern.
Wir kommen meist gar nicht dazu, uns mit den anderen Kulturen auszutauschen, einen Dialog zu führen oder ihnen Respekt zu erweisen, weil dies durch die Vorurteile und Verallgemeinerungen, die wir durch die Medien oder die eigene Neigung vermittelt bekommen, überschattet wird. Auch etwa durch die Gier und den Machtwillen sowie deren Anhäufung des Imperialismus und nicht zuletzt durch eine kapitalistische Gesellschaft. Doch es ist Zeit aufeinander zu zugehen! ,,Guten Tag, ich bin ihr neuer Nachbar. Ich bin Muslim. Wie sie wissen beten wir fünf Mal am Tag. Wenn ich ihnen mal zu laut bin, dann klopfen sie ruhig an die Wand!“ oder ,,Hallo, habe hier ein neues Gesicht gesehen. Sagen sie mal, wie ist das so im Islam mit…“
Und auch wir Muslime dürfen und sollen die Deutschen auch nicht alle in einen Topf werfen! Es gibt sehr viele Deutsche, die uns respektieren und gut behandeln und unsere momentane Situation kennen, der ideologische, spaltende und langsam auch rassistische Krieg.

Möge Allah uns zu einer Bereicherung dieser Gesellschaft machen!

Jul 17

Flüchtlinge – Bedrohung für abendländische Werte und Frauenrechte?

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Flüchtlinge

 

Flüchtlinge – Bedrohung für abendländische Werte und Frauenrechte?

 

Mit der Flüchtlingswelle hat sich eine Debatte um die Wahrung deutscher Werte entwickelt, in der man sich vermehrt antimuslimischer Stereotypen bedient und an Geflüchtete die Forderung stellt, deutsche Werte zu verinnerlichen. Dabei ist zu beobachten, wie arrogant vor allem auf Geflüchtete muslimischen Glaubens herabgeschaut wird, denn es wird stets zwischen muslimischen und nichtmuslimischen Asylsuchenden, wobei letztere oftmals als Opfer der muslimischen Geflüchteten dargestellt werden, differenziert.

 

Neulich sagte mir ein Kommilitone in dem Zusammenhang: „Ich denke mal, dass wir uns beide in dem Punkt einig sind, dass westliche, abendländische Werte besser sind als die von DENEN.“ Gemeint sind muslimische Geflüchtete. Kaum angekommen, wirft man ihnen ein Grundgesetz und „RefugeeGuide“ an den Kopf, was mehr oder weniger einen Verhaltenskodex darstellt, und suggeriert unterschwellig, dass sie unmoralisch sind und nicht wüssten, wie man sich zivilisiert zu verhalten hat. Man setzt also voraus, der muslimische Glaube dieser Leute würde sie zu intoleranten Unzivilisierten machen, die Nichtmuslimen gegenüber feindlich gesinnt sind und Frauenrechte missachten und ablehnen.

 

Besonders stört bei diesen künstlichen Debatten, die meines Erachtens lediglich der Polarisierung und Hetze dienen, dass man islamische Werte kritisiert, sich dabei aber nicht auf die Lehren des Propheten Mohammed stützt, sondern Vorurteile, das Fehlverhalten einiger weniger Muslime und Missstände in Ländern mit großem muslimischen Anteil als Richtlinie nimmt und diese als „islamische Werte“ etikettiert, aber auch, dass muslimische Frauen als unterdrückte, unmündige, unterwürfige Wesen, die dem Willen männlicher Verwandter unterliegen, dargestellt werden. So wird in den Menschen eine illusorische Angst, Geflüchtete würden bei ihrer Einreise dieses „menschenverachtende Frauenbild“ und diese „unzivilisierten, inhumanen Werte“ importieren, erweckt.

 

Das ist nicht nur ein Problem für Flüchtlinge, sondern auch für Muslime und für das Bild des Islams in Deutschland, denn damit setzt man unweigerlich den Islam in der Öffentlichkeit mit Unmoral, Rückständigkeit und Unrecht in Verbindung und begünstigt damit antimuslimische Ressentiments und verstärkt die unbegründete Angst, die Anwesenheit von Flüchtlingen muslimischen Glaubens bedrohe die eigene deutsch-christliche Identität. Angesichts dessen ist es nicht verwunderlich, dass zunehmend Moscheen und Asylunterkünfte von Vandalismus betroffen sind und regelmäßig Muslime, die als solche erkennbar sind, verbal oder physisch angegriffen werden.

 

Aus diesem Grund möchte ich anhand einiger Beispiele ein besonderes Augenmerk auf die muslimische Frau setzen und Vergleiche zwischen der heutigen „aufgeklärten, emanzipierten Europäerin“ und der vermeintlich „unmündigen, unterdrückten Muslimin“ ziehen. Dabei sollen die Ehefrauen des Propheten Mohammeds als Frauen des „Religionsstifters“ eine besonders repräsentative Rolle einnehmen.

 

Die erste Frau des Propheten, Khadija bin Khuwaylid, war eine erfolgreiche, wohlhabende, angesehene Unternehmerin und Kauffrau adeliger Abstammung, in deren Auftrag der Prophet eine Karawane nach Syrien führte. Von der Vertrauenswürdigkeit, Güte, dem edlen Charakter und guten Ruf Mohammeds, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht die Offenbarung erhalten hat, entzückt, entschied sich Khadija, die zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Ehen hinter sich hatte, den 15 Jahre jüngeren Mohammed um eine Ehe anzufragen. Khadija war der erste Mensch, der an die Botschaft Mohammeds glaubte und ihn finanziell und geistig unterstütze. Als sie und Mohammed von den arabischen Polytheisten, die den Propheten Mohammed wegen seines Glaubens bekämpften, boykottiert wurden und kaum Unterhalt für ihre Existenzbedürfnisse erhielten, wich sie, die bislang ein betuchtes Leben führte und mit Armut unvertraut war, nicht von seiner Seite und blieb ihm weiterhin eine große emotionale Stütze. Das Jahr, in dem Khadija verstarb, wurde wegen der großen Trauer des Propheten Mohammeds als „das Jahr der Trauer“ bekannt.

 

Aischa Bint Abu Bakr, die der Prophet nach dem Tod Khadijas heiratete, war für ihre Eloquenz, ihr Selbstbewusstsein und Wissen in verschiedenen Bereichen – in der Medizin, Lyrik, Politik sowie Jurisprudenz – bekannt. Sie eröffnete die erste Schule für das Erlernen islamischer Rechtswissenschaften und Überlieferungen und lehrte sowohl Frauen als auch Männer. Sie war somit gleichzeitig Wissenschaftlerin und Lehrerin. Nach dem Ableben des Propheten wandte man sich bei Unklarheiten in der Urteilsfindung in der Jurisprudenz an sie, da sie für ihr Wissen und außerordentlich klares Verständnis bekannt war. Urwah Ibn Zubayr, einer der bekanntesten Überlieferer und Historiographen in der Frühzeit des Islams, sagte über sie, dass es keine Gelehrten unter den Gefährten des Propheten Mohammed gab, außer, dass sie sich Wissen von Aisha aneigneten. In einer Gesellschaft, in der es verpönt war und als Schwäche erachtet wurde, ein gutes Wort über seine Frau zu verlieren und die Beziehung zur Frau im Wesentlichen aufs Sexuelle reduziert wurde, nannte der Prophet Mohammed nachdem er gefragt wurde, für welchen Menschen er die größte Liebe empfinde, den Namen seiner Frau Aisha. Auch in seiner berühmten Abschiedspredigt thematisierte er den Sexismus und wies darauf hin, dass

„die besten unter euch diejenigen sind, die ihre Frauen am besten behandeln.“ (Prophet Mohammed).

 

Um zu realisieren, wie revolutionär und bahnbrechend der Prophet Mohammed mit dem Predigen der Vorzüge und Rechte der Frau extrem patriarchale Strukturen aufbrach, einen Umbruch in der Gesellschaft einleitete, das gesamte Frauenbild veränderte und Frauen zur Emanzipation motivierte, muss man sich die Situation der Frau auf der vorislamischen arabischen Halbinsel vergegenwärtigen. Frauen haben keinerlei Rechte genossen. Sie wurden in der patriarchalen arabischen Gesellschaft von ihren Männern wie Eigentum behandelt, in aller Öffentlichkeit geschlagen und zur Nacktheit gezwungen, wenn sie das Glück hatten, als junge Mädchen nicht lebendig begraben worden zu sein.

 

Nicht umsonst platzierte der amerikanische Astronaut, Mathematiker und Historiker Michael Hart den Propheten Mohammed in seinem Buch „Die 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Menschheitsgeschichte“ auf den ersten Platz, denn seine Lehren inspirieren auch nach Hunderten von Jahren Milliarden von Menschen: So wurde die älteste bestehende Universität der Welt in Fes, Marokko, im 9. Jahrhundert von einer muslimischen Frau eröffnet, während man noch in Europa Hexen verfolgte. So etwas wäre zur gleichen Zeit in Europa undenkbar gewesen, wenn man bedenkt, dass erste feministische Ideen erst im 17. Jahrhundert formuliert wurden und erste feministische Bewegungen im späten 18. Jahrhundert aufblühten.

 

Aisha war im 7. Jahrhundert anerkannte Wissenschaftlerin und hat zahlreiche Schüler gelehrt, während Frauen in Deutschland erst Anfang des 20. Jahrhunderts der volle Zugang zu Universitäten ermöglicht wurde. Khadija hat am Anfang des 7. Jahrhunderts wesentlich mehr verdient als der Prophet und sie verfügte auch über ein größeres Vermögen und doch fühlte er sich durch ihre Errungenschaften und ihren Status weder unterlegen noch in seiner „Männlichkeit“ bedroht.

 

Und heute müssen wir beschämenderweise im „aufgeklärten“ Europa Debatten über die Einführung von Frauenquoten führen, heute verdienen Frauen selbst mit höherer Qualifikation weniger als Männer, die die gleichen Leistungen erbringen wie sie.

 

Diese Frauen haben bewiesen, dass man als Frau einen hohen Status in der Gesellschaft einnehmen kann und sie durch seinen Einsatz aktiv und selbstbestimmt mitgestalten kann. Sie haben bewiesen, dass Frauen intellektuelle Wesen sind, die nicht auf ihre Sexualität reduziert werden dürfen. Diese Frauen waren keine unterdrückten Frauen. Sie waren selbstbewusste Frauen, die mit beiden Beinen im Leben standen, die nicht nur Vorbilder für Musliminnen sind, sondern für alle Frauen.

 

Wir stellen muslimische Männer unter Generalverdacht, Gewalt an Frauen anzuwenden und vergessen dabei, dass jede dritte Europäerin bereits einmal körperlicher oder sexualisierter Gewalt ausgesetzt war und die Hälfte von ihnen mindestens einmal sexuell belästigt wurde. In nur rund 9% der angezeigten Vergewaltigungen kommt es in Deutschland zur Verurteilung, obwohl lediglich 10% der Vergewaltigungen angezeigt werden. Dies demonstriert das allgemeine Desinteresse am Leid der Frau in Europa, das nur dann Beachtung findet, wenn es nicht vom europäischen Mann ausgeht und rassistischen und antimuslimischen Hetzkampagnen Vorschub leistet. Und wir nehmen uns angesichts dieser Missstände das Recht heraus, andere über Frauenrechte zu belehren und ihnen Frauenunterdrückung, die wir in ihrer religiösen Überzeugung begründet sehen, vorzuwerfen.

 

Fehlende Frauenrechte, Frauenunterdrückung und extrem patriarchale Strukturen sind kein muslimisches Problem. Das sind Probleme, die völlig unabhängig vom Glauben vor allem in Entwicklungsländern, in denen kein Gewaltmonopol, kein allgemeiner Zugang zu Bildungseinrichtungen existiert und die Mehrheit der Bevölkerung mit Armut und Hunger zu kämpfen hat, aber auch in Schwellenländern und Industriestaaten immer noch verwurzelt sind.

 

Und wenn sie unter anderem in Ländern mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung vorherrschen, kann man immer wieder feststellen, dass sie gerade aus der Nichtverinnerlichung islamischer Werte, aus fehlender islamischer Aufklärung resultieren. Diese Zustände sind existent und genau sie erinnern an die vorislamische Zeit auf der arabischen Halbinsel, die Zeit der Jahiliyyah (Unwissenheit), aber ihre Existenz in nichtmuslimischen Staaten zu negieren, sie ignorant auf den Islam zurückzuführen und damit das eigentliche Problem zu ignorieren, verstärkt diesen Zustand umso mehr.

 

Um abschließend auf das eigentliche Thema, nämlich das Dämonisieren „islamischer Werte“, zurückzukommen: Selbstverständlich muss man Neuankömmlinge in Deutschland mit gewissen Gepflogenheiten vertraut machen. Das ist völlig in Ordnung. Was allerdings nicht in Ordnung ist, ist im Zuge solcher Debatten, Flüchtlingen Unmoral vorzuwerfen und sich antimuslimischer Vorurteile zu bedienen, um ein Feindbild von Muslimen und dem Islam im Allgemeinen zu erschaffen und damit einem friedlichen Miteinander entgegenzuwirken. Wir in Europa befinden uns keinesfalls in der Position, anderen mit Arroganz entgegenzutreten, sie und ihre Religion zu degradieren und mit ihnen umzugehen, als müssten sie erzogen werden, weil wir ihnen fälschlicherweise vorwerfen, Werte abzulehnen, die selbst hierzulande nicht gänzlich Beachtung finden und umgesetzt werden.

Jul 15

Erstdiagnose Krebs


Erstdiagnose Krebs

“Endlich das Examen hinter mir, nie wieder Prüfungsstress!”, habe ich mir gedacht, “Jetzt beginnt ein ganz neuer Lebensabschnitt in der Klinik”. Ich habe mich schon gefreut, eigene Patienten betreuen zu dürfen. Doch das dies nicht immer so einfach ist, habe ich in den ersten Monaten meiner Ausbildung erfahren, in der ich in der Onkologie eingeteilt worden bin. Ich musste leider sehr oft schlechte Nachrichten übermitteln. Mit den folgenden fünf Fällen will ich euch einen Einblick geben, wie unterschiedlich manchmal Patienten mit der vernichtenden Diagnose “Krebs” umgehen (Die verwendeten Namen sind übrigens frei erfunden, aber die geschilderten Handlungen entsprechen etwa dem, was ich erlebt habe):

 

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Fall 1:

Arzt: Herr Müller, tut mir Leid Ihnen mitteilen zu müssen, dass die Untersuchungsergebnisse gezeigt haben, dass die Rückenschmerzen, die sie seit längerer Zeit haben, nicht durch den Bandscheibenvorfall bedingt sind.


Herr Müller: Wie meinen sie das? Es ist doch gut, dass ich keinen Bandscheibenvorfall habe!


Arzt: Leider haben die Untersuchungsergebnisse gezeigt, dass sie einen Tumor im Bauchraum haben – und zwar ein so genanntes Gallengangzellkarzinom, ein bösartiger Tumor. Leider ist das ganze in keinem frühen Stadium mehr, so dass sich schon Tochtergeschwülste, also Metastasen, gebildet haben. Ihre Rückenschmerzen werden durch zahlreiche solcher Metastasen in der Wirbelsäule verursacht.

Herr Müller: Oh! (Nach 30 Sekunden Stille).. wie lange habe ich noch? Seien Sie ehrlich zu mir Herr Doktor. Jetzt ist es sowieso zu spät, oder?


Gallengangzellkarzinom: Ein cholangiozelluläres Karzinom (CCC, Cholangiokarzinom) ist eine seltene, bösartige Geschwulst der Gallengänge. Die Krankheit wird meist erst spät erkannt, und deshalb sind die Heilungschancen begrenzt.

 

Fall 2:
Arzt: Herr Peters (45 Jahre alt), in den letzten Tagen haben wir viele Untersuchungen durchgeführt und inzwischen liegen uns alle Ergebnisse vor. Jetzt müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass die Bauchschmerzen, die sie haben, nicht durch einen Tumor im Bauchraum verursacht worden sind, sondern leider durch einen Lungenkrebs, welcher in den Bauchraum gestreut hat. Leider haben wir bei Ihnen auch Hirnmetastasen nachweisen können.


Herr Peters (mit Tränen in den Augen): Oh! Damit habe ich nicht gerechnet.. Wie kann so etwas so schnell passieren? Bis vor drei Wochen konnte ich völlig normal Fußball spielen und Wasserkästen in den dritten Stock tragen. Wie konnte das alles so plötzlich kommen?

Herr Doktor sagen Sie mir bitte ehrlich, wie viel Zeit habe ich noch?

Lungenkrebs ist eine bösartige Entartung des Gewebes der Lunge. Man unterscheidet zwischen dem Bronchialkarzinom (Krebs des eigentlichen Lungengewebes) und dem Mesotheliom (Krebs des Lungenfells). Der Hauptrisikofaktor für Lungenkrebs ist das Rauchen. Auch Passivrauchen steigert das Risiko für Lungenkrebs.

 

Fall 3:
Die Diagnose Magenkrebs wurde am Donnerstag gesichert (es war 1 Tag vorm Karfreitag). Um die Patientin nicht über die Feiertage traurig zu machen, habe ich ihre Diagnose am Dienstag mitgeteilt:


Arzt: Frau Franke, wir haben einige Untersuchungen durchgeführt. Wie Sie wissen, brauchen einige Ergebnisse etwas mehr Zeit. Nach Ostern können wir Ihnen sagen, ob wir etwas gefunden haben oder nicht.

 

Frau Franke: o.k. kein Problem, ich habe Zeit.


Arzt (nach Ostern): In Zusammenschau aller Befunde müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass wir einen Tumor im Bauchraum gefunden haben, und die Histologie zeigte, dass es sich um einen bösartigen Tumor handelt.

Frau Franke (lächelt): O.K. und wie geht’s jetzt weiter.

 

Arzt: Da wir leider gesehen haben, dass der Krebs bereits gestreut hat, müssen Sie sich einer Chemotherapie unterziehen.

 

Frau Franke (lächelt): O.K. dann machen wir es.

 

Arzt: Ihre Reaktion verwundert mich ein wenig. Sie scheinen gar nicht schockiert oder traurig zu sein.


Frau Franke: Traurig bin ich schon, aber was soll ich machen? Wenn es mich erwischt hat, dann muss ich Geduld haben. Ich kann es sowieso nicht ändern und wenn ich noch dazu deprimiert bin, dann wird es schlimmer.

 

Magenkrebs (Magenkarzinom): Hierbei handelt es sich um eine bösartige Tumorerkrankung des Magens. Er ist eine relativ häufige Tumorart, die häufig erst spät erkannt wird. Je früher Magenkrebs aber entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen.


Fall 4:
Arzt: Herr Schneider, ich muss Ihnen leider mitteilen, dass die Histologie gezeigt hat, dass sie einen bösartigen Tumor im Darm haben.


Herr Schneider (nach 20 Sekunden Stille): Nein, das ist ungerecht. Das kann ich nicht verstehen. Ich habe nie geraucht, nie getrunken und ich habe immer gesund gelebt.

Darmkrebs wird durch unterschiedliche Faktoren verursacht. Es ist zum Teil genetisch bedingt, wird aber auch durch Übergewicht, Bewegungsmangel und täglichem Fleischkonsum verursacht. Übrigens war Herr Schneider leider übergewichtig, hat kein Sport gemacht, und hat nach seinen Angaben täglich mindestens einmal Fleisch gegessen, über vielen Jahren.

 

Darmkrebs ist ein bösartiger Tumor des Darms. Er gehört zu den häufigsten Krebsarten überhaupt. Dem Darmkrebs voraus gehen meist Darmpolypen, die sich im Laufe von wenigen Jahren bösartig verändern. Da Darmkrebs sehr langsam wächst, kann eine rechtzeitige Darmspiegelung das Leben retten.

 

Fall 5:
Arzt: Frau Birke, wir müssen Ihnen leider mitteilen, dass Sie ein Bauchspeicheldrüsenkrebs haben. Das haben wir nun nach zahlreichen Untersuchungen bestätigen können.

 

Frau Birke (30 Sekunden gewartet und mit Tränen in den Augen): O.K., was kann man da machen?

 

Arzt: Da es bereits gestreut hat, hilft nur noch die Chemotherapie.

 

Frau Birke: O.K. ich bin eine starke Frau, ich schaffe das. Ich habe vieles in meinem Leben geregelt bekommen. Wann können wir mit der Chemotherapie anfangen?

 

Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom) ist eine bösartige Erkrankung des Pankreas. Die Erkrankung verläuft oft lange symptomlos, weshalb der Pankreaskrebs häufig erst zu spät entdeckt wird. Er geht mit sehr schlechten Heilungchancen und somit einer sehr schlechten Prognose einher.

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Wie ihr sehen könnt, gibt es zum Teil ganz unterschiedliche Reaktionen auf die Diagnose Krebs. Es gibt Leute wie Herrn Peters, die eine gesunde Lebensweise durchgeführt haben und trotzdem die Diagnose Krebs erhalten, was natürlich sehr niederschmetternd sein kann.  Es gibt Leute wie Leute Herrn Schneider, die so verzweifelt sind, dass sie eindeutige Tatsachen, wie die eigene Fettleibigkeit, verdrängen und behaupten, sich gerade gesund ernährt zu haben. Manchmal kann eine schwere Diagnose die eigene Wahrnehmung sehr stark verzerren. Es gibt aber auch Leute wie Frau Franke, die anscheinend gar keine Angst vor der Diagnose haben und tapfer ihr Schicksal annehmen.

 

Zu welcher Kategorie von Mensch würdest du dich sehen, wenn du plötzlich eine traurige Nachricht erhalten würdest?

Jul 13

ZamZam – Das heilige Süßwasser

 

ZamZam -Das heilige Süßwasser

ZamZam Brunnen Islam

Allah erschuf alle Lebewesen aus Wasser und die Menschen benötigen auch für fast alles Wasser. Für die Landwirtschaft, zum Erhitzen, zum Abkühlen, für Transport und Bau. Doch nicht jedes Wasser hat den gleichen Wert und die gleiche Bedeutung. Die Muslime sehen das ZamZam Wasser als etwas Geehrtes, Einzigartiges und Wertvolles.

 

ZamZam (arabisch زمزم) ist der Name eines Brunnens im Hof der großen Moschee in Mekka in Saudi-Arabien. Dem Wasser des Brunnens wird ein Ursprung im Paradies nachgesagt und somit heilende Wirkung.

 

Der islamischen Überlieferung zufolge handelt es sich um die Quelle, die Allah für Hagar und ihren Sohn Ismail (den ersten Sohn Abrahams) entspringen ließ, als sie in der Wüste dem Verdursten nahe waren. Erschöpft und ängstlich soll Hagar zwischen den Hügeln Safa und Marwa hin und her gelaufen sein, um etwas Wasser zu finden. Nach dem siebten Lauf sah sie das Wasser zu den Füßen ihres Sohnes sprudeln. Infolge der neuen Quelle siedelten sich Menschen in dem sonst so dürren Tal an, was den Anfang der Stadt Mekka dargestellt haben soll. In Erinnerung an diese Suche und Anstrengung laufen auch heute noch die Pilger während der Pilgerfahrt Haddsch sieben Mal zwischen den beiden Hügeln – die sich heute im Inneren der großen Moschee befinden – hin und her. Man sollte sich bewusst machen, dass das ZamZam-Wasser das beste Wasser dieser Erde ist und ein Gesegnetes.

 

Der Prophet Mohammed (s.a.s.) sagte: „Das beste Wasser auf dem Angesicht der Erde ist das Wasser von (der Quelle) Zamzam; es ist eine Art Speise, und Heilung von Krankheit“ (Sahih al-Djami‘ Nr. 3302), und in Sahih Muslim 4/1922 heisst es: “ Es ist ein Segen, und eine Speise, die genüge tut“ , in der Version von Abu Dawud al-Tayaalisi (2. Band, Nr. 61) heisst es auch noch „… und eine Heilung für die Kranken“. (nachzulesen in Fatwa Nr. 6831

 

In Fatwa Nr. 49791 steht, dass man sich beim Trinken von ZamZam-Wasser in Richtung der Ka’ba (der Gebetsrichtung) wendet. Ist man in Mekka direkt vor Ort und steht an der Ka’ba, dann stellt man sich in Richtung des schwarzen Steines. Wichtig ist, dass man wie bei jedem Getränk und bei jeder Mahlzeit vorher Bismillah ( Im Namen Allahs ) sagt und es in 3 Schlücken trinkt, zwischen denen man absetzt. Wer kann sollte soviel ZamZam-Wasser wie möglich trinken, so dass man sich vollständig damit sättigt. All dies zu tun ist mustahabb (beliebt), auch das Wasser im Sitzen zu trinken. Dennoch ist es auch erlaubt das ZamZam-Wasser im Stehen zu trinken. Und nach dem Trinken sagt man „Al-hamdulillah“ (Lob sei Allah).

 

Technisch ist der ZamZam-Brunnen ca. 30 m tief. Pumptests haben ergeben, dass Pumpen von 8 m3/Sekunde zu einem Absenken des Grundwasserspiegels von ca. 3,5 m auf 13 m unter der Erdoberfläche führte, wonach keine weitere Absenkung erfolgte. Aber bereits 11 Minuten nach dem Abschalten der Pumpe war der Wasserspiegel wieder auf ca. 3,5 Metern.

 

Wiedergeburt des ZamZam

 

Im Laufe der Zeit begannen die Einwohner Mekkas auf die Gepflogenheiten der Frommen zu verzichten. Die Dschurhum, der Kern der mekkanischen Bevölkerung, wurden aus Mekka vertrieben, als sie ungerecht und tyrannisch wurden. Sie verstopften heimlich den Brunnen, um ihren Bezwingern dessen Segen zu verwehren, wobei ihnen die Wichtigkeit des ZamZam völlig bewusst war. Der ZamZam-Brunnen wurde nicht wieder geöffnet und daher vergessen. Viele Generationen gingen in Mekka dahin, während derer das ZamZam in völlige Vergessenheit geriet, bis Abdulmuttalib, der Großvater des Propheten (s.a.s.) väterlicherseits, den still liegenden Brunnen wiedererweckte. Abdulmuttalib selbst hatte den ZamZam-Brunnen nicht wahrgenommen. Mit dem Herannahen der letzten göttlichen Botschaft war eine Abfolge bedeutungsvoller Ereignisse im Gange. Die Wiedergeburt des ZamZam war eines davon.

 

“Es geschah, dass Abdulmuttalib in drei aufeinander folgenden Nächten einen klaren Traum darüber hatte, einen Brunnen zu graben. In jedem Traum war der Name des Brunnens unterschiedlich und es wurde kein Ort erwähnt. In der vierten Nacht jedoch wurden Abdulmuttalib sowohl ZamZam als auch dessen Ort so klar genannt, dass er am Morgen nach derselben vierten Nacht die Aufgabe durchführte. Zur größten Fassungslosigkeit der Mekkaner, die sich über den scheinbar vergeblichen Versuch, an einem derart dürren Ort Wasser zu finden, lustig gemacht hatten, fand Abdulmuttalib in einem alten ausgegrabenen Brunnen ganz nah an der Ka’ba Wasser. Und es war nur selbstverständlich, dass die Mekkaner einen Anteil an diesem offensichtlich besonderen Brunnen beanspruchten. Abdulmuttalib machte keine Zugeständnisse und lehnte jeden derartigen Anspruch ab. Die Mekkaner und Abdulmuttalib konnten keinen Mittelweg aushandeln, deshalb waren beide Parteien damit einverstanden, einen Schlichter zu suchen. Sie brachen zu einer Priesterin auf, deren Rechtsspruch von beiden Parteien akzeptiert werden sollte. Die Karawane hatte, während sie die Wüste durchquerten, auf ihrem Weg kein Wasser mehr. Die Gefährten Abdulmuttalibs gaben allesamt die Hoffnung auf Rettung auf. Und als alles verloren schien, strömte aus der noch so kleinen Kerbe, die Abdulmuttalibs Kamel mit seinem Fußballen machte, Wasser heraus. Als die Mekkaner dies sahen, wussten sie, dass Derjenige, der Abdulmuttalib vor diesem sicheren Tod auf genau dieser Reise rettete, eben jene Frage des ZamZam entschied. Er machte Abdulmuttalib zum einzigen Erben dieses besonderen Wassers. Die Frage war entschieden und die Familie des Propheten (s.a.s.) wurde mit einem klaren Unterscheidungsmerkmal geehrt. Es ist von größter Bedeutung zu erwähnen, dass Abdulmuttalibs Besitz des ZamZam kein Besitzanspruch war, mit dem er sein Wasser Anderen verwehrte. Der einzige Erbe zu sein bedeutete, dass Abdulmuttalib allein die Pilger mit ZamZam-Wasser versorgen würde. Niemand sonst (außer seiner Familie natürlich) konnte an diesem äußerst ehrenvollen Vorrecht teilhaben”. ( Albidaya Wannihaya von Ibnu Kathir).

 

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