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Apr 15

Der Unfall, der mein Leben veränderte – Geschichte des Monats!

Von Tag zu Tag fühlte ich mich schwerer, belastet durch meine Sünden. Anfangs verschlief ich hin und wieder das Fajr-Gebet. Doch es steigerte sich: Mittlerweile versäumte ich sogar bei vollem Bewusstsein Gebete. Davon betroffen war vor allem das Nachtgebet. Ich zögerte es bis tief in die Nacht hinaus. Dann wurde ich so müde, dass ich einschlief, ohne es zu beten. Ich las, dass dies eine Eigenschaft der Heuchler sei. So war ich am nächsten Morgen nicht motiviert, für das Fajr-Gebet aufzustehen. Ich fühlte mich zu tief in meinen Sünden und wartete auf einen Neuanfang. So dachte ich mir: Ich habe doch ohnehin schon zu viele Gebete verpasst.Bald begann ein neuer Monat. Da nahm ich mir vor, in diesem Monat keine Gebete mehr zu verpassen und mehr Disziplin zu haben! Es waren Vorsätze! Sobald ich sie aber nicht mehr einhalten konnte, fehlte mir jegliche Hoffnung, in dem Monat besser zu sein als zuvor.

So verging die Zeit: Monat für Monat, sogar Jahr für Jahr. Ich fiel jedes Mal wieder in meine alte Lage zurück.

Gerade zu jedem Neujahr fasste die ganze Gesellschaft verschiedene Vorsätze. Ich war nie ein Fan davon, doch versuchte es meistens auch zu nutzen, um mich aus meiner Lage zu befreien: Ich wollte mich endlich von vielen schlechten Angewohnheiten und Sünden befreien. Ich wollte mir ein festes Datum setzen, an dem ich damit aufhöre. So versank ich immer weiter in meinen Sünden. Ich verschob meinen Neuanfang immer wieder auf den Neuanfang eines anderen Monats. Manches sogar auf den Neuanfang eines Jahres.

Eines Tages war ich unterwegs mit Freunden zu einem Event im Osten Deutschlands.

Wir hatten eine lange Fahrt vor uns. Es war zur Vorweihnachtszeit und die Autobahn war dementsprechend voll. Ich dachte mir: Ab Neujahr werde ich alle Sünden unterlassen und einen Neuanfang starten, deshalb wollte ich CDs mit Musik abspielen lassen. Mein Beifahrer ersetzte sie jedoch durch Nasheeds, immer wieder.

Ich fuhr nicht mit einer hohen Geschwindigkeit. Mein Beifahrer war der Wegweiser. Er achtete auf das lautlos geschaltete Navigationsgerät und informierte mich regelmäßig. Noch einen LKW wollte ich überholen, bevor ich die Ausfahrt nahm.

Diesen Moment werde ich niemals vergessen. Ich bog auf die ganz rechte Spur ab. Mein Beifahrer schrie. Und dann hörte ich nur noch ein lautes Knallen.

Im Krankenhaus wachte ich auf. Voller Schmerzen überall. Auf die Nachfrage, warum ich dort sei, zeigte man mir ein Video des Unfalls, dass zufälligerweise durch die Dashcam des LKW Fahrers hinter uns aufgenommen wurde. Mein bester Freund, der Beifahrer, starb noch an der Unfallstelle.

Ich überlebte den Unfall mit einigen Brüchen und Prellungen. Der Schmerz des Verlusts meines Freundes war tief in mir drin. Als Fahrer fühlte ich mich oft für seinen Tod verantwortlich.

Seine Angehörigen galten als besonders geduldig, da sie bereits schon einmal ein Kind verloren hatten, das durch eine gravierende Infektionskrankheit starb. Sie beschuldigten mich kein einziges Mal. Sie baten mich immer wieder, viele Dua (Bittegebete) für ihn auszusprechen. Diesem Wunsch kam ich nach. Ich fing an, Allah um Vergebung und den Paradieseinritt für ihn zu bitten. Er war ein sehr guter Bruder. Je mehr ich zu Allah betete, desto klarer wurde mir, welch eine Gnade er mir erwiesen hat, dass ich noch lebe und mich noch ändern kann. Noch vor Neujahr wurde ich aus dem Krankenhaus entlassen und ich nahm mir vor, sofort mit meinem Neuanfang zu starten. Ich wartete nicht darauf, bis das neue Jahr anbrach, denn der Tod könnte mich jeder Zeit einholen und dann wäre es zu spät. Ich fing an zu beten. Auch wenn ich anfangs nicht alle Gebete einhalten konnte, ließ ich mich nicht mehr vom Shaytan (Teufel) entmutigen, versuchte immer wieder aufzustehen und zu beten. Mit der Zeit verfestigte sich das Gebet so fest in meinem Rhythmus, sodass ich kein Gebet mehr verpasste und anfing, mich im Quran und der Sunna weiterzubilden.

„ Sag: O meine Diener, die ihr gegen euch selbst maßlos gewesen seid, verliert nicht die Hoffnung auf Allahs Barmherzigkeit. Gewiß, Allah vergibt die Sünden alle. Er ist ja der Allvergebende und Barmherzige.“ (39:53)

„Wenn dann der Tod zu einem von ihnen kommt, sagt er: „ Mein Herr, bringt mich zurück, auf dass ich rechtschaffen handele in dem, was ich hinterlassen habe“. Keineswegs! Es ist nur ein Wort, das er (so) sagt; hinter ihnen wird ein trennendes Hindernis bis zu dem Tag, da sie auferweckt werden.“
( 23:99 und 23:100)

Video: https://www.youtube.com/watch?v=C3kPXtutIZk
Autor: Saleh

Der Unfall

 

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