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Apr 21

Die Berichterstattung unter der Lupe!

„Danke N24 für den Moment“

Als ich morgens vor dem Fernseher saß, wollte ich mir die vom N24-Team gefilterten und als “wichtig“ eingestuften Meldungen des Tages anschauen. Es handelte sich vor allem um das Thema des Jahres, nämlich Flüchtlinge und die damit zusammenhängenden Konstellationen. Dieses Mal sollen angeblich einige von ihnen an den sexuellen Übergriffen am Kölner Dom verwickelt worden sein. Nachdem der Sender ausführlich über den Horror an jener Silvesternacht berichtete, leitete die Moderatorin in die Hungersnot in der syrischen Stadt Madaja über. In Bruchteilen von Sekunden wird uns mitgeteilt, dass die Menschen sich dort von Gras, Baumblättern und Katzen ernähren. Vielen Dank auch N24 für diese Neuigkeiten!

Wir verabscheuen übrigens die Übeltaten in Köln und finden das soziale Missverhalten der verantwortlichen Personen absolut beschämend. Und natürlich finden wir es gut, dass N24 sich überhaupt für einen blitzschnellen Moment für die Menschen in Syrien interessiert hat.

Was wir aber beanstanden, ist diese “Doppelmoral“ der deutschen Medien, insbesondere die des Fernsehens im Umgang mit der syrischen Krise. Leiden die Syrer erst jetzt an Hunger und Mangelernährung, wo uns die Flüchtlingswellen überrumpelt und das ganze Land in einen unendlichen Diskurs versetzt haben? Schon seit fünf Jahren tobt der Krieg in Syrien mit all seinen verheerenden Folgen. Man spricht von der schlimmsten humanitären Katastrophe seit dem zweiten Weltkrieg. Abertausende Menschen sind dabei ums Leben gekommen. Durch Waffen, aber auch oft durch Hunger. Es erreichen uns Bilder im Netz von abgemagerten Körpern. Es kursieren Nachrichten über teure Lebensmittel. Ein Liter Milch kostet bis zu 30 $, ein Kilo Mehl bis zu 100 $ und ein Kilo Reis bis 200 $, wenn sie überhaupt verfügbar sind. Und es ist noch kein Ende in Sicht, denn Humanität und moralisches Handeln scheinen in unserer jetzigen Welt nur noch eine untergeordnete Rolle zu spielen!

Die hier skizzierten Beispiele sind nur kleine Auszüge von einer unbeschreiblich miserablen humanitären Lage in Syrien, die bei den meisten Nachrichten- und Fernsehsendern nur am Rande erwähnt werden. Stattdessen preist man lieber die Luftangriffe, welche der Region und den Menschen dort eigentlich noch mehr Blutvergießen und Elend bringen. Somit sind die Luftangriffe, sei es der Russen oder der anderen Bündnispartner, ein Teil des Problems und nicht die Lösung geworden. Als würden die abgeworfenen Bomben zwischen Zivilisten und nicht Zivilisten unterscheiden. Apropos, eine Rakete kostet, laut Waffenexperten bis zu 50.000,00 €. Jetzt stellen wir uns vor: Die Kampfjets werfen statt Raketen Reis und Mehl ab. Wie viele Reissäcke würde man für 50.000,00 € bekommen? Und wie viele Menschenleben könnte man dadurch retten? Das würde aber nicht gehen, denn es geht den Feld-Akteuren nicht um die Zivilbevölkerung, sondern eher um strategische Interessen.

Der humanitären Krise in Syrien ein paar Sekunden Zeit im deutschen Fernsehen zu widmen, ist natürlich besser als sich gar nicht dafür zu interessieren, wir finden aber, dass das Menschenleid seitens der visuellen (Nachrichten-)Sender mehr Aufmerksamkeit verdient hat. Denn nur so können Medien ihre Glaubwürdigkeit, Neutralität und ihre aufklärerische Funktion in einer modernen Gesellschaft wiederherstellen und aufrechterhalten! Es kann doch nicht sein, dass einem frisch getrennten Promi-Ehepaar, einem neugeborenen Eisbären oder der Rettung einer im Wasserkanal festgesteckten Katze (bei allem Respekt vor Tieren) mehr Zeit geschenkt wird als sterbenden Kindern in Syrien! Trotzdem Danke N24 für den tollen Fernsehmoment!

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