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Dez 21

Die Beziehung zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen

Die Beziehung zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen im Islam – ein wichtiges und sehr sensibles Thema
In den Medien erhält man immer wieder negative Eindrücke über den Islam. Vor allem die Schreckensbilder von Terror und Gewalt, gehen einem nicht aus dem Kopf. Kann man da noch der Aussage „Islam ist Frieden“ glauben schenken? In diesem Artikel wird versucht, anhand des Qurans und der Sunnah des Propheten (s.a.s.) darzulegen, was der Islam wirklich über das Verhältnis zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen sagt.

Der Unterschied zwischen den Menschen in der Herkunft, im Geschlecht, in der Hautfarbe etc. soll kein Grund der Feindseligkeit sein, sondern soll eher dazu führen, dass sich die Menschen gegenseitig kennen lernen. Denn im Quran heißt es: „O ihr Menschen, Wir haben euch ja von einem männlichen und einem weiblichen Wesen erschaffen, und Wir haben euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennenlernt. Gewiß, der Geehrteste von euch bei Allah ist der Gottesfürchtigste von euch. Gewiß, Allah ist Allwissend und Allkundig.“ (49:30) Wie soll dieses Kennenlernen, also der Umgang mit anderen Menschen, aussehen? Es soll auf Gütigkeit, Gerechtigkeit und gegenseitigem Respekt beruhen. Das verstehen nämlich die meisten Gelehrten darunter, wenn sie folgenden Vers aus der Sure Al-Mumtahana hören: „Allah verbietet euch nicht, gegenüber denjenigen, die nicht gegen euch der Religion wegen gekämpft und euch nicht aus euren Wohnstätten vertrieben haben, gütig zu sein und sie gerecht zu behandeln. Gewiß, Allah liebt die Gerechten.“ (60:8)

Dem Muslim obliegt es, den anderen Menschen nur das Beste zu wünschen. Doch was ist das Beste aus Sicht des Muslims? Das ist nichts anderes als der Islam. Der Islam, d.h. die Niederwerfung zu einem einzigen Gott, führt zu Ruhe, inneren Frieden und Glückseligkeit. Dieses Gefühl sollte man den anderen Menschen nicht vorenthalten. Deshalb ist es die Pflicht eines jeden Muslims, seine Mitmenschen zum Islam einzuladen. Allah befehlt nämlich im Quran: „Und es soll aus euch eine Gemeinschaft werden, die zum Guten aufruft, das Rechte gebietet und das Verwerfliche verbietet. Jene sind es, denen es wohl ergeht.“ (3:104) Der besondere Wert der Einladung (arab. Dawa) wird in einem Hadith deutlich: Einmal sagte der Gesandte Allahs (s.a.s.) zu Ali (Möge Allahs Wohlgefallen auf ihm sein) als er ihm am Tag von Chaibar die Fahne in die Hand gab, und ihn Ali gefragt hatte: ‚O Gesandter Allahs, soll ich sie bekämpfen, bis sie so wie wir sind?’: „Geh zu ihnen bis du auf ihr Gebiet angekommen bist. Dann lade sie zum Islam ein und teile ihnen mit, was sie für Pflichten im Islam gegenüber Allah haben, denn bei Allah, wenn Allah durch dich nur einen einzigen Mann rechtleitet, dann ist das besser für dich, als wenn du rote Kamele hättest“ (Riyad us-Salihin Nr. 175)

Wie wird aber nun Dawa gemacht? Dawa wird gemacht, indem man mit seinen Mitmenschen sachlich, mit Wissen und klaren Beweisen argumentiert, die Emotionen außer Spiel lässt und seinen gegenüber respektiert. Dies kann man aus folgenden Quranvers ableiten: „Rufe zum Weg deines Herrn mit Weisheit und schöner Ermahnung, und streite mit ihnen in bester Weise. Gewiß, dein Herr kennt sehr wohl, wer von Seinem Weg abirrt, und Er kennt sehr wohl die Rechtgeleiteten.“ (16:125) Ob die Person, mit der man diskutiert hat, letztlich den Islam annimmt oder nicht, ist der Person allein überlassen. Man kann keinen zum Glauben zwingen. Dies sagt dieser Quranvers aus: „Es gibt keinen Zwang im Glauben. (Der Weg der) Besonnenheit ist nunmehr klar unterschieden von (dem der) Verirrung. Wer also falsche Götter verleugnet, jedoch an Allah glaubt, der hält sich an der festesten Handhabe, bei der es kein Zerreißen gibt. Und Allah ist Allhörend und Allwissend.“ (2:256)

„Das ist alles schön und gut. Doch was ist mit den Versen, die ums Töten von Ungläubigen handeln? Diese kann man doch nicht einfach ignorieren“, könnte man jetzt vorwerfen. Gerne wird von Islamkritikern dann auf den sog. „Schwertvers“ verwiesen: „Wenn nun die Schutzmonate abgelaufen sind, dann tötet die Götzendiener, wo immer ihr sie findet, ergreift sie, belagert sie und lauert ihnen aus jedem Hinterhalt auf! Wenn sie aber bereuen, das Gebet verrichten und die Abgabe entrichten, dann laßt sie ihres Weges ziehen! Gewiß, Allah ist Allvergebend und Barmherzig.“ (9:5) Kann man daraus wirklich den Schluss ziehen, dass jeder Muslim die Pflicht hat, andere Menschen zu töten aufgrund ihres Unglaubens?

Die Antwort lautet natürlich: Nein. Das Kämpfen ist kein Dauerzustand, sondern ist nur im Ausnahmezustand des Krieges erlaubt. Und der Krieg ist nur dann gerechtfertigt, wenn die Muslime selbst angegriffen und bedroht werden (vgl. Quran 2:190) oder wenn Menschen anderswo auf der Welt unterdrückt werden und dadurch in der Entscheidung, den Islam anzunehmen oder nicht, nicht frei sind (vgl. Quran 4:75). Erst dann hat der Muslim das Recht und auch die Pflicht, sich und andere Menschen zu schützen. Im Krieg gelten für den Muslim sehr strenge Regeln: Am Krieg unbeteiligte Personen wie z.B. Frauen, Kinder und Mönche dürfen nicht geschadet werden. Selbst die Natur und die Tiere müssen beim Krieg unversehrt bleiben. Abu Bakr, möge Allahs Wohlgefallen auf ihm sein, der beste Freund des Propheten (s.a.s.), pflegte seinen Kriegsführern vor dem Marsch zum Kampf folgendes zu sagen: „Hört zu, damit ich euch zehn Ratschläge gebe, die ihr im Kopf behalten müsst: Betrügt nicht und verratet nicht! Keiner von euch darf etwas als Beute heimlich zu sich nehmen! Verstümmelt keine Leichen, tötet keine Kinder, keine alten Männer und keine Frauen! Schneidet keine Dattel- und Fruchtbäume ab, verbrennt keine Dattelbäume! Schlachtet kein Schaf, kein Kamel und keine Kuh außer zum Essen! Ihr werdet an Menschen vorbeikommen, die sich in Kirchen und Tempeln für den Gottesdienst zurückgezogen haben, lasst diese sich ungestört mit dem beschäftigen, dem sie sich widmen.” (At-Tabari)

Wie aus den strengen Kriterien und Regelungen bezüglich des Krieges erkennbar, ist es im Prinzip dem Muslim strengstens verboten, Kriege zu führen, die ausschließlich der Machtergreifung, der Expansion, der Verwüstung etc. dienen. Der Muslim kämpft nur aus der Not heraus, niemals sollte er der Aggressor sein. Frieden, was ja auch die Bedeutung des Wortes Islam ist, sollte immer an höchster Stelle stehen. Beim Krieg soll nicht etwa das Unterwerfen eines bestimmten Landes angestrebt werden, sondern immer der Friedensschluss: „Und wenn sie sich dem Frieden zuneigen, dann neige auch du dich ihm zu und verlasse dich auf Allah! Gewiß, Er ist ja der Allhörende und Allwissende.“ (8:61) Wenn man sich das Leben des Propheten (s.a.s.) anschaut, so wird man die besprochenen Grundsätze finden: Der Prophet Muhammad (s.a.s.) und seine Anhänger wurden von den Götzendiener unterdrückt und verfolgt. Dies ging so weit, dass die damaligen Muslime aus ihrer Heimat Mekka fliehen musste, die einen nach Medina, die anderen sogar bis ins entfernte Abessinien (Kaiserreich auf den Gebieten der heutigen Staaten Äthiopien und Eritrea). Die Muslime wurden mit dem Tod bedroht. Aus diesem Grund musste irgendwann Allahs Erlaubnis zum Kampf kommen. Sonst würden die Repressalien nie aufhören. Dabei ist der Wunsch nach Frieden nie erlöschen. Mehrmals hat der Prophet Friedensverträge geschlossen, die aber seitens der Quraisch, der Götzendiener, immer wieder gebrochen wurde. Eines der bekanntesten Friedensverträge war der „Friedensvertrag von Al-Hudaibiya“: Frieden für 10 Jahre wurden vereinbart. Obwohl zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses die Muslime nach mehreren gewonnenen Schlachten die Oberhand hatten, ging der Prophet (s.a.s.) auf die Wünsche der Götzendiener ein und nahm große Nachteile für den Frieden in Kauf: So wurde vereinbart, dass wenn eine Person von den Quraisch zu den Muslimen in Medina überläuft, diese Person der Quraisch zurück geschickt werden muss. Ein bekannter Fall war die des zum Islam Konvertiten Abu Busair: Dieser ist von den Quraisch geflohen und suchte Schutz bei den Propheten (s.a.s.) in Medina. Der Prophet schickte ihn schweren Herzens zurück zu den Quraisch in Mekka (vgl. „Muhammad, die faszinierende Lebensgeschichte des letzten Propheten“ von Jotiar Bamarni 8.Aufl. S.162f).

Letztendlich kann man sagen, dass der Islam durchaus den friedlichen Umgang zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen predigt. Die Verse, die um den Kampf handeln, sind an speziellen Umständen gebunden. Wenn es keinen Anlass zum Kämpfen gibt, warum sollte man dann nicht zurück zum Grundzustand kehren, dem Frieden und dem gegenseitigen Respekt? Grundsätzlich ist es wichtig, dass man jeden Quranvers in seinem historischen Kontext setzt, um genau zu verstehen, welche Regel man in welcher Situation anwendet. Der Quran wurde nicht auf einmal herabgesandt, sondern wurde Stück für Stück, verteilt über die Lebensjahre des Propheten (s.a.s.), herabgesandt und zwar immer dann, wenn es einen besonderen Offenbarungsanlass gab. Leider vergessen das viele Islamkritiker und „Jihadisten“, sodass sie ein falsches Bild vom Islam haben. Statt den Islam (oder irgendeine andere Religion) zu verteufeln und damit gleichzeitig all seine Anhänger, sollte man den Grund für den Terror, den Hass, die Feindseligkeit in der jeweiligen (verwirrten) Person sehen, und nicht in der Religion, die dieser zu repräsentieren scheint.

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