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Jan 24

Die häufigste Krankheit und ihre Folgen – Bluthochdruck einfach erklärt

Was ist Bluthochdruck?!

Hallo liebe Leser, ich möchte über den Bluthochdruck schreiben, da ich als Arzt sehr oft mit vielen Fragen der Patienten konfrontiert bin. Ich verspreche euch, mein Bestes zu tun, das ganze mit einfachen Wörtern zu erklären, und so wenig wie möglich Fachwörter zu verwenden.
Mit Abstand ist der Bluthochdruck die häufigste Krankheit in Deutschland (30 bis 40% der Bevölkerung). Das Problem ist, dass diese Krankheit heimtückisch ist. Die Menschen merken es erst Jahre später. Das heißt, dass die Patienten mit dem hohen Blutdruck lange leben, ohne es zu merken, da es in der Regel keine Symptome verursacht. Vor allem wenn der Blutdruck nicht extrem hoch ist, merkt man in der Regel nichts und somit entdeckt man die Krankheit erst viel später, nachdem es zu Schädigungen an mehreren Organen gekommen ist.

Man spricht von Bluthochdruck, wenn der Blutdruck über 140 zu 90 mmHg. Optimal ist, wenn der Blutdruck 120 zu 80 mmHg ist.

Wie kommt man überhaupt auf diese Werte? Es ist so, dass der Blutdruck durch das Volumen in den Blutgefäßen und durch die Herzleistung also die Pumpfunktion des Herzens zustande kommt.

Der obere Wert, 120 mmHg, kommt dadurch zustande, dass nach jeder Kontraktion des Herzens, die sog. Systole, 120 mmHg Druck zu messen ist. Dieser Druck misst man in den arteriellen Gefäße also in der Aorta oder halt in den großen Gefäßen, die nachgeschaltet sind. Normalerweise misst man den Blutdruck in der Arteria brachiales am Oberarm.

Der zweite Wert des Blutdrucks (unterer Wert) ist der diastolische Wert. Dieser beträgt 80 mmHg. Die Diastole ist die Entspannungs- und Füllungsphase des Herzens. Da ist der Druck logischerweise niedriger als der Druck in der Kontraktionsphase.

Es ist wichtig zu wissen ist, dass die beiden Werte im Normbereich sein sollen. Manche denken, dass nur der obere Wert in Ordnung sein soll, aber der untere Wert ist ist ebenfalls sehr wichtig. Später in diesem Artikel kommen wir zu den Komplikationen, wo es dann ersichtlich ist, dass beide Werte wichtig sind.

 

Formen und Ursachen des Bluthochdrucks

Viele fragen, warum habe ich überhaupt Bluthochdruck? Da soll man wissen, dass es zwei Formen von Bluthochdruck gibt. Einmal die primäre und einmal die sekundäre Hypertonie (Bluthochdruck). Die primäre Hypertonie (circa 90 % der Fälle). Man weiß eigentlich nicht genau, warum es zu dieser Form des Bluthochdrucks kommt. Man vermutet, dass einige Faktoren eine Rolle spielen, z.B. Übergewicht, Gene, Stress, Salzkonsum etc., aber so richtig weiß man es eigentlich nicht. Also kurzgefasst: 90 % der Hypertonikern (Bluthochdruckpatienten) haben eine primäre Hypertonie und die Ursache ist unbekannt.

Die restlichen 10% haben die sogenannte „sekundäre Hypertonie“. Sekundär weil die Krankheit als Folge von anderen Erkrankungen oder Störungen im Körper auftritt, zum Beispiel durch Störungen am Hormonhaushalt, an der Herzstruktur, an den Herzklappen, am Erregungsleitungssystem des Herzens (Ströme des Herzens) oder halt durch Nierenkrankheiten. Eine weitere Ursache ist das sogenannte Schlaf-Apnoe Syndrom, vor allem bei Menschen, die Nachts laut schnarchen, da sie etwas schwerer einatmen und somit weniger Sauerstoff bekommen, und das führt dazu, dass sie nachts höhere Blutdruckwerte entwickeln, weil es reaktiv zur Bildung von bestimmten Hormonen und Proteinen kommt, die die Blutgefäße beeinflussen, so dass der Blutdruck ansteigt, damit der Körper mehr Sauerstoff bekommt.

 

Was sind eigentlich die Risikofaktoren des Bluthochdrucks?

Das Alter (Männer über 55 und Frauen über 65 Jahre), bei Rauchern, bei Diabetikern und bei Übergewichtigen. Es ist auch wichtig zu wissen, dass wenn eine Person in der Familie Bluthochdruck hat, dann haben die anderen ein höheres Risiko Bluthochdruck zu haben. Wichtig auch sind die Blutfette, denn wenn die nicht im Normbereich sind, hat man ebenfalls ein höheres Risiko. Da soll man wissen, dass die Blutfette wenig damit zu tun haben, ob man adipös oder schlank ist, daher können die auch bei schlanken Patienten erhöht und bei adipösen Patienten im Normbereich sein.

 

Was sind die Folgen und die Komplikationen des Bluthochdrucks?

Die Patienten, die viele Jahre Bluthochdruck haben, haben krankhaft veränderte Blutgefäße. Die Gefäße können die dauerhaft erhöhten Drücken nicht aushalten, so dass es zu Verletzungen der Gefäße von innen kommt, und somit werden die Gefäße „porös“. Das begünstigt die Bildung von den Blutgerinnseln in den Blutgefäßen, und so ist die Wahrscheinlichkeit deutlich höher, dass Blutfette und Blutgerinnsel sich da an verletzten Stellen ansammeln, was letztendlich zum Verschluss von den Gefäßen führen kann. Ein Verschluss von Kranzgefäßen (die Arterien, die das Herz selbst mit Blut versorgen), führt zum Herzinfarkt. Wenn das mit den Hirngefäßen passiert, kommt es zum Schlaganfall.

Nicht nur die Gefäße werden krank, sondern auch die nachgeschalteten Organe, denn wenn das Blut so (mit hohem Druck) unkontrolliert an die Organe „rangelassen“ wird, werden die Organe geschädigt und somit kommt es u.a. zur Schädigung der Niere, so dass die Filterfunktion nicht so richtig funktioniert. Auf Dauer kann es bis zum Nierenversagen kommen. Bluthochdruck ist also leider eine häufige Ursache des Nierenversagens. Es ist ebenfalls wichtig zu wissen, dass Bluthochdruck die Gefäße des Auges auch stark beschädigt, so dass es zur Verminderung der Sehkraft kommt, und das kann sogar zur Erblindung führen, wenn der Blutdruck nicht rechtzeitig behandelt wird.

 

Was macht der Bluthochdruck mit dem Herzen?

Man muss leider sagen, dass etwa die Hälfte der Patienten mit Bluthochdruck an Herzerkrankungen stirbt. Man kann sich das so vorstellen: wenn der Blutdruck zu hoch in den Gefäßen ist, dann versucht der Körper die nachgeschalteten Organen schützen, und somit kontrahieren die Gefäße reflektorisch und verengen sich. Was passiert dann mit dem Herzen? Nun muss das Herz noch stärker anpumpen, um diese erhöhte Widerstand zu überwältigen, und somit kommt es zu einem Teufelskreis quasi. Das Herz muss dann noch stärker anpumpen, und somit werden die Muskeln des Herzens dementsprechend verändert, was zur Vergrößerung des Herzens und zum sog. „Hochdruckherz“ führt.

Bis jetzt sind die Folgen, die ich genannt habe, vor allem durch erhöhte systolische Werte (Der obere Wert), aber wenn der untere Wert hoch ist, dann erhöht sich das Risiko, ein Herzinfarkt zu haben (Ein Herzinfarkt ist auch durch höhere systolische Werten möglich). Das erfolgt so: Das Herz nutzt die Diastole, also die Entspannungsphase um sich selbst mit Blut zu versorgen, weil der Herzmuskel Blut braucht, um zu arbeiten. Die Durchblutung des Herzens erfolgt in dieser Entspannungsphase (Diastole). Wenn der Blutdruck nicht 80 mmHg wie es sein soll sondern 95 oder 100 mmHg, dann passiert das, was ich gerade bei den anderen Blutgefäßen und Organen genannt habe, auch mit den Herzkranzgefäßen. Ein Verschluss von einem dieser Gefäße (Koronararterien=Herzkranzgefäße) führt zum Herzinfarkt.

 

Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen 

Eine weitere wichtige Komplikation des Bluthochdrucks sind Herzrhythmusstörungen, nämlich wenn das Herz ständig gegen erhöhte Widerstände anpumpen muss, führt das letztendlich zur Vergrößerung des Herzmuskels und zur Ausdehnung des Vorhofs (Vorkammer des Herzens). Das gefährliche daran, ist dass die Herzströme (elektrische Erregung) im rechten Vorhof entstehen, in den sogenannten Herzschrittmacherzellen, und breiten sich von den Sinusknoten aus zum Rest des Herzmuskels. Somit sind die Sinusknoten die Taktgeber des Herzens, daher ist der Sinusrhythmus der normale Rhythmus des Herzens. Wenn die Vorhöfe sich ausdehnen, kommt es zu einer Störung des Erregungsleitungssystems des Herzens, und somit kommt es zu kreisenden Erregungen (da nun zu viel Platz, was dafür nicht vorgesehen ist) und somit wird zu viel Strom produziert, was die Kontaktion des Vorhofs stört. Diese Störung heißt Vorhofflimmern, die häufigste Rhythmusstörung Deutschlands. Diese Rhythmusstörungen begünstigt die Bildung von Blutgerinnseln, die zu Gefäßverschlüssen führen kann. Vorhofflimmern ist die Schlaganfall Ursache Nummer eins in Deutschland. In einem anderen Artikel werde ich das Thema Vorhofflimmern detailierter erklären.

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