«

»

Feb 10

Die lehrreiche Geschichte von Imam al Shafi

Al Shafi als eine großartige Persönlichkeit!

Die Geschichte von Imam al Shafi ist faszinierend und lehrreich. Hier kann man mehr über diesen großartigen Imam erfahren, sowie über die unterschiedlichen Rechtschulen.
Die Entstehung der Rechtschulen:

Beim Studium des fiqh, der islamischen Rechtswissenschaft, haben sich im Laufe der Zeit verschiedene Schulen entwickelt. Diese Schulen wurden von den großartigsten Juristen der islamischen Geschichte gegründet und von ihren Nachfolgern in ihren jeweiligen Schulen weiterentwickelt. Jeder dieser Imame hat dem Verständnis des islamischen Rechts eine einzigartige und neue Dimension gegeben.

Der wichtige Beitrag des dritten der vier großen Imame, Imam Muhammad al-Schafi’i (al Shafi), war die Festschreibung und Organisation eines Konzeptes, welches als usul al-fiqh – die Prinzipien hinter dem Studium des fiqh – bekannt ist. Während seiner glanzvollen Karriere lernte er von einigen der größten Gelehrten seiner Zeit und weitete ihre Ideen weiter aus, während er weiterhin stark am Koran und der Sunna als den Hauptquellen des islamischen Rechts festhielt. Heute ist seine Madhhab (Rechtschule) nach dem Madhhab von Imam Abu Hanifa die zweitwichtigste auf der Welt.

 

Frühe Lebensjahre

Muhammad ibn Idris al-Shafi’i wurde 767 (dem Jahr, in dem Imam Abu Hanifa starb) in Gaza, Palästina geboren. Sein Vater starb, als er noch sehr klein war, und daher beschloss seine Mutter, nach Mekka zu ziehen, wo viele ihrer Familienmitglieder (die ursprünglich alle aus dem Jemen stammten) wohnten. Obwohl sie in einer wirtschaftlich sehr schlechten Situation waren, bestand seine Mutter darauf, dass er den Weg in Richtung der Wissenschaft einschlägt, besonders angesichts der Tatsache, dass er von der Familie des Propheten Muhammad ﷺ abstammte.

So wurde er als junger Mann in arabischer Grammatik, Literatur und Geschichte unterrichtet. Aufgrund der finanziellen Situation seiner Familie konnte sich seine Mutter kein richtiges Schreibmaterial für den jungen al-Shafi leisten. Deswegen war er gezwungen, sich auf alten Tierknochen Notizen zu machen. Trotzdem hatte er es im Alter von sieben Jahren geschafft, den Koran auswendig zu lernen. Danach begann er, sich in das Studium des fiqh zu vertiefen und hatte im Alter von zehn Jahren das berühmteste fiqh-Buch zu jener Zeit, Imam Maliks Muwatta, auswendig gelernt.

 

Studium bei Imam Malik

Als er dreizehn Jahre alt, wurde er vom Gouverneur Mekkas dazu gedrängt, nach Medina zu reisen und dort bei Imam Malik zu studieren. Imam Malik war sehr beeindruckt von der Intelligenz und dem analytischen Verstand des jungen al Shafi und gab ihm finanzielle Unterstützung, um sicherzugehen, dass er beim Studium des fiqh bleibt.

In Medina tauchte al Shafi komplett in die akademische Umgebung jener Zeit ein. Neben Imam Malik studierte er unter Imam Muhammad al-Shaybani, einer von Imam Abu Hanifas führenden Studenten. Dies machte al-Shafi’i mit verschiedenen Standpunkten zum Studium des fiqh vertraut, und er profitierte sehr von dem Umgang mit den unterschiedlichen Herangehensweisen an den fiqh. Als Imam Malik im Jahr 795 starb, war Imam Shafi’i als einer der kenntnisreichsten Gelehrten der Welt bekannt, obwohl er erst in seinen 20er Jahren war.

 

Seine Reisen

Nicht lange nach Maliks Tod wurde Imam al Shafi in den Jemen eingeladen, um dort als Richter für einen abbasidischen Statthalter zu arbeiten. Sein Aufenthalt sollte jedoch nicht von langer Dauer sein. Das Problem war, dass Imam Schafi’i als Akademiker nicht bereit war für die politisch aufgeladene Umgebung, in der er sich wiederfand. Da er darauf bestand, kompromisslos gerecht und ehrlich zu sein, machten es sich zahlreiche Fraktionen innerhalb der Regierung zum Ziel, ihn von seinem Posten zu entfernen.

Im Jahr 803 wurde er verhaftet und in Ketten nach Bagdad, dem Sitz des abbasidischen Kalifats, gebracht, aufgrund der erfundenen Anklage, er habe schiitische Rebellen im Jemen unterstützt. Als er den Kalifen jener Zeit, Harun al-Rashid, traf, hielt er eine leidenschaftliche und wortgewandte Verteidigungsrede, welche den Kalifen sehr beeindruckte. Imam Shafi’i wurde nicht nur freigelassen, Harun al-Rashid bestand sogar darauf, dass Imam Schafi’i in Bagdad blieb, um dabei zu helfen, das islamische Wissen in der Region zu verbreiten. Al-Schafi’i stimmte zu und traf die kluge Entscheidung, sich für den Rest seines Lebens von der Politik fernzuhalten.

Während er im Irak war, nutzte er die Gelegenheit, mehr über den hanafitischen Madhhab zu lernen. Er war mit seinem alten Lehrer, Muhammad al-Schaybani, wiedervereint, unter dem er komplizierten Details des Madhhab gelernt hatte. Obwohl er Imam Abu Hanifa niemals getroffen hatte, hatte er großen Respekt für den Urheber des fiqh-Studiums und seine Denkrichtung.

Während seiner 30er und 40er Jahre reiste Imam al-Schafi’i durch Syrien und die arabische Halbinsel, während er Vorträge hielt und eine große Gruppe von Studenten zusammenstellte, die unter ihm studierte. Unter ihnen war Imam Ahmad, der Urheber der vierten Rechtsschule, dem hanbalitischen Madhhab. Irgendwann ging er zurück nach Bagdad, doch er fand heraus, dass der neue Kalif, al-Ma’mum, einige sehr unkonventionelle Vorstellungen über den Islam hatte und dafür bekannt war, diejenigen, die ihm widersprachen, zu verfolgen. Folglich unternahm Imam Schafi’i 814 seinen letzten Umzug, dieses Mal nach Ägypten, wo es ihm möglich war, seine Rechtsgutachten zu erledigen und endlich das Studium seiner usul al-fiqh zu gründen.

 

Al-Risala

Während der 700er und dem frühen Teil der 800er Jahre gab es zwei konkurrierende Philosophien darüber, wie islamisches Recht hergeleitet werden sollte. Eine Philosophie wurde von ahl al-hadith („dem Volk der Hadith“) gefördert. Sie bestanden auf dem vollen Vertrauen auf die wörtliche Interpretation von Ahadith und der Unzulässigkeit, den Verstand als ein Mittel zur Herleitung islamischen Rechts zu benutzen. Die andere Gruppe war als ahl al-ra’i, dem „Volk des Verstandes“ bekannt. Sie glaubten natürlich auch daran, Ahadith zu verwenden, aber sie akzeptierten ebenfalls den Verstand als eine Hauptquelle des Rechts. Die hanafitische und die malikitische Rechtsschulen wurden zu dieser Zeit mehrheitlich als dem ahl al-ra’i zugehörig betrachtet.

Da er beide Rechtsschulen studierte, sowie ein umfassendes Wissen über authentische Ahadith hatte, versuchte Imam al-Shafi’i, die beiden Weltanschauungen in Einklang zu bringen und eine klare Methodik für fiqh einzuführen – bekannt als usul al-fiqh. Seine Anstrengungen in diese Richtung führte zu seiner bahnbrechenden Arbeit “Al-Risala”.

Al-Risala sollte kein Buch sein, das genaue Rechtsfragen und al-Shafi’is Meinung zu ihnen behandelt. Genauso wenig sollte es ein Buch über Regeln und islamisches Recht sein. Stattdessen sollte es einen vernünftigen und rationalen Weg bereitstellen, um islamisches Recht abzuleiten. In dem Buch stellt Imam al-Schafi’i vier Hauptquellen dar, von denen islamisches Recht abgeleitet werden kann:
1. Der Koran
2. Die Sunnah des Propheten Muhammad
3. Einigkeit in der muslimischen Gemeinschaft
4. Analoge Schlussfolgerung, bekannt als „Qiyas“

Auf jede dieser Quellen (außerdem einige weitere Quellen, die er als nicht wichtig erachtet) geht er in seinem Risala im Detail ein, indem er erklärt, wie sie zu interpretieren und miteinander in Einklang zu bringen sind. Die Rahmenbedingungen, die er für das islamische Recht bereitstellt, wurde die Hauptphilosophie des fiqh, welche von allen nachfolgenden Gelehrten des islamischen Rechts akzeptiert wurde. Sogar die hanafitische und die malikitische Rechtsschulen wurden angepasst, um in dem Rahmen, den al-Schafi’i bereitgestellt hat, zu funktionieren.

Imam al-Schafi’is Beiträge im Bereich des usul al-fiqh waren gewaltig. Seine Ideen verhinderten das Ausfransen des Studiums des fiqh in hunderte verschiedene, konkurrierende Schulen, indem sie eine allgemeine Sichtweise bereitstellten, an der festgehalten werden sollte. Doch sie boten auch ausreichend Flexibilität, um Platz für andere Interpretationen und somit Madhhabs zu lassen. Obwohl er dies wahrscheinlich nicht beabsichtigt hatte, schrieben seine Anhänger seine Rechtsauffassungen (welche in einem anderen Buch, dem Kitab al-Umm, dargelegt wurden) nach seinem Tod im Jahr 820 in dem schafiitischen Madhhab fest. Heute ist der schafiitische nach dem hanafitischen Madhhab der zweitgrößte Madhhab und ist in Ägypten, Palästina, Syrien, dem Jemen, Ostafrika und Südostasien sehr weit verbreitet.

 

Imam Schafi’is Sprache

Imam al Shafi, der als Koryphäe im Bereich des fiqh bekannt war, war außerdem bekannt für seine Redegewandtheit und sein Wissen über die arabische Sprache. Während seiner Reisen besuchten Beduinen, die als die versiertesten in der arabischen Sprache bekannt waren, seine Vorlesungen, jedoch nicht, um Wissen über fiqh zu erlangen, sondern um seinen Sprachgebrauch und seine Beherrschung der Dichtkunst zu bewundern. Einer seiner Gefährten, Ibn Hischam, vermerkte: „Ich habe niemals gehört, dass er [Imam Schafi’i] ein Wort benutzte, für das man bei sorgfältiger Prüfung ein besseres Wort in der gesamten arabischen Sprache gefunden hätte.“

 

 

 

 

Quelle: alnews.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>