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Dez 26

Die Zuckerkrankheit einfach erklärt

WENN ZELLEN ZUCKERHUNGER HABEN,
OBWOHL ES IM BLUT ZU VIEL DAVON GIBT!

Diabetes mellitus (griech. für “honigsüßer Durchfluss”), im Volksmund als Zuckerkrankheit bekannt, ist die häufigste Volkskrankheit Deutschlands. Betroffen sind 12% aller Deutsche im Alter zwischen 25 und 79 Jahren. Die Erkrankung hat kontinuierlich zunehmende Tendenz. Dunkelziffer sind deutlich mehr, da die Diagnose erst Jahre später gestellt wird.
Die Krankheitbezeichnung verdankt seinen Namen dessen Hauptsymptom, nämlich dem erhöhten Zuckerspiegel im Blut und im Urin.
Die Zuckerkrankheit ist eine Glukosestoffwechselstörung, die durch unterschiedliche Ursachen Zustande kommen kann. Alle Zuckerkrankheitsformen führen zur Überzuckerung (Hypergykämie). Eigentlich soll ein Hormon das verhindern: das Insulin. Insulin wird in den B-Zellen des Pankreas gebildet und sorgt dafür, dass die Zuckerkonzentration im Blut immer im Normbereich liegt. Der überschüssige Zucker wird u.a. in den Leber- und Muskelzellen hinein transportiert. Das ist eigentlich eine Win-Win-Situation. So haben die Zellen ihr Bedarf an Zucker und zugleich ist die Zuckerkonzentration im Blut im Normbereich und es kommt zu keinen zuckerbedingten Organschädigungen.
Insulin ist ein “Anabolikum” oder ein “anaboles Hormon” (Aufbauhormon) und sorgt unter anderem auch für den Muskelaufbau. Das ist auch der Grund, warum einige Bodybuilder, die eigentlich nicht an Zuckerkrankheit leiden, Insulin spritzen.

Was passiert bei der Zuckerkrankheit?

In einfachen Worten ist es so, dass man im Körper entweder gar kein Insulin hat (Typ 1) oder dass Insulin zwar vorhanden ist, das aber entweder nicht ausreichend ist oder die Zellen resistent dagegen sind (Typ 2), nach dem Motto: “Insulin? Nein, danke! Du bist nicht unser Typ. Wir finden dich zwar nett, aber uninteressant und werden daher nicht auf dich reagieren.”
Dies hat zur Folge, dass die Körperzellen, die sich durch Zucker ernähren, hungern, obwohl es eigentlich im Normalfall eines typischen Zuckerpatienten ein Überzuckerungszustand im Blut herrscht.

Die Zuckerkrankheit kann man in vier Gruppen einteilen:

1- Diabetes mellitus Typ 1 (5-10 % aller Diabetiker):
Die Ursache ist, dass die B-Zellen des Pankreas, die normalerweise Insulin produzieren, fälschlicherweise durch körpereigene Antikörper zerstört werden. Der Körper bildet aus unerklärten Gründen “versehentlich” Antikörper
gegen körpereigene Zellen (Autoantikörper). Die Zerstörung der B-Zellen tritt in der Regel in den ersten 24 Lebensjahren auf. Diese kann aber auch langsam fortschreiten und es kann mehrere Monate oder sogar Jahre andauern, bis alle B-Zellen vollständig zerstört sind. Mit ihrer Restfunktion können die B-Zellen noch genug Insulin bilden, so dass die Krankheit erst viel später diagnostiziert werden kann,
Für die Diagnose ist es wichtig, diese Autoantikörper im Blut zu bestimmen. In seltenen Fällen kann man solche Autoantikörper erst nach den ersten 24 Lebensjahren feststellen und somit kommt es zum spät auftretenden Diabetes mellitus Typ 1 ab dem 25. Lebensjahr. Diese Sonderform von Diabetes mellitus Typ 1 nennt sich LADA (Abkürzung für “Latent Autoimmune Diabetes in Adults”, zu Deutsch: “verzögert auftretender, autoimmun bedingter Diabetes beim Erwachsenen”).
Die Behandlung von LADA ist ähnlich wie die Behandlung von Typ 1 und zwar durch lebenslange Insulin-Applikation.

2- Diabetes mellitus Typ 2 (85-90 % aller Diabetiker):
Dieser Typus betrifft Patienten ab dem 25. Lebensjahr, am häufigsten tritt diese Erscheinung jedoch ab dem 40. oder 50. Lebensjahr auf. Zu den Risikofaktoren gehören hier außer die genetische Veranlagung auch Übergewicht,
Bewegungsmangel und übermäßiger Zuckerkonsum.
Hier kommt es nicht zu einem absoluten Mangel an Insulin wie bei Typ 1, sondern zu einem relativen Insulinmangel, wie oben erwähnt.

3- Diabetes mellitus kann auch als Folge von anderen Krankheiten wie der Bauchspeicheldrüsen entzündung (Pankreatitis) auftreten oder aufgrund einer Medikamenteneinahme wie die orale Einnahme von cortisonhaltigen Präparaten.

4- Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes):
Circa 4% aller Schwangerschaften sind davon betroffen (das sind weniger als 0,5% aller Diabetes-Erkrankten). Die Ursache hierfür ist die schwangerschaftsbedingte Produktion von Hormonen, die Zucker im Blut erhöhen und somit anti-insulinär arbeiten.
Ganz wichtig für die Betroffenen aller Zuckerkrankheitsformen sind die sog. Spätkomplikationen.
Diese Spätkomplikationen treten auf, wenn die Zuckerwerte über längere Zeiten, also über Jahre, nicht richtig eingestellt sind. Dies führt zu Schädigungen in unterschiedlichen Organen. Man könnte natürlich diese Spätkomplikationen zeitlich sehr stark nach hinten verschieben, indem man darauf achtet, dass die Zuckerwerte im Sollbereich liegen.
Die wichtigsten Spätkomplikationen sind:

1- Arteriosklerose und Mikroangiopathie: Verhärtung und Elastizitätsverlust (und somit Verengung) von Arterien und damit erhöhtes Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und weitere Gefäßkrankheiten.

2- Diabetische Nephropathie: Schädigung der kleinsten Gefäße (Kapillaren) in der Niere bei langjährigem Diabetes
mellitus, vor allem zu erwarten bei ungünstiger Blutzuckereinstellung seit mehr als zehn Jahren.

3- Diabetische Retinopathie: die Schädigung der Gefäße im Augenhintergrund führt zu einer zunehmenden Sehstörung.

4- Diabetische Neuropathie: die Erkrankung der Nerven durch zuckerbedingte Schädigung der Nervenhülle, welches vor allem zu einer Störung der Sensibilität und Motorik führt.

5- Diabetischer Fuß: schmerzlose, schlecht abheilende Verletzungen des Fußes. Diese sind schmerzlos aufgrund der Neuropathie, also der Empfindungsstörung (fast fehlendes Gefühl am Fuß, dadurch gibt es keinen Schmerzreiz). Die schlechte Genesung solcher Verletzungen ist bedingt durch die Schädigung der Blutgefäße. Die Heilstoffe des Körpers kommen wegen der Mikroangiopathie nicht in ausreichender Menge am Fuß an, wodurch der Heilungsprozess verzögert wird.

Wie kann man die Zuckerkrankheit diagnostizieren?

Bei Typ 1 ist es relativ einfach: der Nachweis von bestimmten Autoantikörpern im Blut des Patienten lässt auf eine Erkrankung schließen.

Bei Typ 2 ist es anders: man misst die Blutzuckerkonzentration bei leerem Magen. Die Messung erfolgt an der Fingerkuppe (Kapillarblut) mit einem sog. “Finger-Stix”. Werte über 110 mg/dl zu zwei unterschiedlichen Zeitpunkten (mind. 1 Tag Abstand bis man wieder nüchtern ist) sichern die Diagnose. Andernfalls wenn eine Messung der Zuckerwerte im nüchternen Zustand nicht möglich ist, kann man trotzdem zu zwei verschiedenen Zeitpunkten die Blutzuckerkonzentration messen (2 Stunden nach jeder Mahlzeit). In diesem Fall ist die Diagnose gesichert, wenn die Zuckerwerte in den zwei un-
terschiedlichen Zeitpunkten über 200 mg/dl betragen. Also auch nach dem Essen dürfen die Zuckerwerte bei einem gesunden Menschen nicht über 200 mg/dl steigen.

Wie kann man die Zuckerkrankheit behandeln?

Man kann es eigentlich ganz einfach in einem Satz zusammenfassen: die beste Therapie ist die möglichst normnahe Einstellung der Blutzuckerwerte und der HbA1c.
Der „HbA1c“ ist der Anteil des mit Glukose gebundenen Hämoglobins (sog. glykiertes Hämoglobin) am Gesamt Hämoglobin des Körpers. Dieser Wert beträgt in der Regel 4-6 %. Bei Diabetikern ist der Wert höher. Je schlechter die Zuckereinstellung ist, desto höher ist der Wert.
Die Bestimmung dieses Wertes ist extrem wichtig, weil HbA1c das sogenannte „Zuckergedächtnis“ ist. Dieser Wert ist abhängig von der Blutzuckerkonzentration in den letzten 2-3 Monaten also retrospektiv, somit ist er ideal zur Qualitätskontrolle der Blutzuckereinstellung. Bei Diabetikern können Werte bis 6,5% unter bestimmten Umständen toleriert werden.
Es ist wichtig zu wissen, dass sowohl bei Diabetes mellitus Typ 1 als auch bei Typ 2 eine gesicherte genetische Komponente vorhanden ist, heißt also, dass Diabetes mellitus vererbbar ist. Es gibt aber einen Unterschied zu den “gewöhnlichen” Erbkrankheiten: die Vererbung von Diabetes mellitus ist multifaktoriell, d.h. dass das Risiko Diabetes zu entwickeln neben der genetischen Vorbelastung auch von individuellen Faktoren wie Bewegungsmangel, falsche Ernährung, Übergewicht abhängt. Näheres zu diesem Thema wird in einer der nächsten Ausgaben folgen.

 

2 Kommentare

  1. Duran

    schön erklärt

  2. Alex

    Danke für die nette und einfache Erklärung.

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