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Jul 26

Eine Hijabi ist besser als eine Nicht-Hijabi

 

 

Hijabi ist besser als eine Nicht-Hijabi?!

 

Wer sind wir, dass wir uns erlauben eine solch plumpe Aussage zu machen?

Der Hijab ist zweifelsohne eine Pflicht, wie Allah im Qur’an sagt:

„Sag zu den gläubigen Männern, sie sollen ihre Blicke senken und ihre Scham hüten. Das ist lauterer für sie. Gewiss, Allah ist Kundig dessen, was sie machen. Und sag zu den gläubigen Frauen, sie sollen ihre Blicke senken und ihre Scham hüten, ihren Schmuck (arab. Zina) nicht offen zeigen, außer dem, was (sonst) sichtbar ist. Und sie sollen ihre Kopftücher (arab. bi Chumurihinna) auf den Brustschlitz ihres Gewandes schlagen und ihren Schmuck nicht offen zeigen, außer ihren Ehegatten, ihren Vätern, den Vätern ihrer Ehegatten, ihren Söhnen, den Söhnen ihrer Ehegatten, ihren Brüdern, den Söhnen ihrer Brüder und den Söhnen ihrer Schwestern, ihren Frauen, denen, die ihre rechte Hand besitzt, den männlichen Gefolgsleuten, die keinen (Geschlechts)trieb (mehr) haben, den Kindern, die auf die Blöße der Frauen (noch) nicht aufmerksam geworden sind. Und sie sollen ihre Füße nicht aneinanderschlagen, damit (nicht) bekannt wird, was sie von ihrem Schmuck verborgen tragen. Wendet euch alle reumütig Allah zu, ihr Gläubigen, auf dass es euch wohl ergehen möge!“ (Sure  24, Vers 30-31)

An anderer Stelle sagt Allah:

„O Prophet, sag deinen Gattinnen und deinen Töchtern und den Frauen der Gläubigen, sie sollen etwas von ihrem Überwurf (arab. Dschalabib, Pl. Dschilbab) über sich herunterziehen. Das ist eher geeignet, dass sie erkannt (nämlich als freie, ehrbare Frauen) und so nicht belästigt werden. Und Allah ist Allvergebend und Barmherzig.“ (Sure  33, Vers 59)

Zudem:

„Und für diejenigen unter den Frauen, die sich zur Ruhe gesetzt haben’ und nicht mehr zu heiraten hoffen, ist es keine Sünde, wenn sie ihre Gewänder ablegen, ohne jedoch ihren Schmuck zur Schau zu stellen. Doch sich (dessen) zu enthalten, ist besser für sie. Und Allah ist Allhörend und Allwissend.“ (Sure  24, Vers 60)

 

In einem Hadith wird von Safiyyah bint Shaybah berichtet, dass ‘A’isha sagte:

„Als folgende Verse offenbart wurden ‘und dass sie ihre Tücher über ihre Juyoobihinna ziehen sollen (z.B. ihren Körper, Gesicht, Hals und Busen)‘ – nahmen sie ihre Izaars (Ein Teil vom Kleidungsstück) rissen ein Teil von der Ecke ab und bedeckten/ verhüllten ihre Gesichter damit.” (Al-Bukhari, 4481)

In einem anderen Hadith wurde berichtet, dass ‘A’isha sagte:

„Wenn die Reiter an uns vorbei zogen, während wir mit dem Gesandten im Ihram Zustand waren, und als sie sich uns näherten, warfen wir unsere Jilbabs über unsere Köpfe und Gesichter, dann, wenn sie weggegangen waren, haben wir sie wieder weggenommen (die Bedeckung).“ (Abu Dawood, 1833; Ibn Maajah, 2935)

Sheikh Muhammad Amin al Shinqiti berichtet:

„Wie bei Ibn Hajar in seinem Werk ‘Fath al Bari‘ vorzufinden ist, das jener von ‘A’isha berichtet:

‘Die Frauen der Quraish sind gut. Aber bei Allah habe ich niemanden gesehen der besser ist, gläubiger oder stärker in seinem Glauben bezüglich dem Buche Allahs als die Frauen der Ansaar. Als der Teil von Surat an-Noor offenbart wurde, in dem es heißt ‚[…] Und sie sollen ihre Kopftücher auf den Brustschlitz ihres Gewandes schlagen […]‘, rezitierten ihre Männer ihnen was offenbart wurde. Es gab keine Frau die nicht dem gemäß handelte und am nächsten Morgen so betete als ob schwarze Krähen auf ihren Köpfen saßen (aufgrund ihrer Stille und Keuschheit).’

So kann daraus gezogen werden, dass sie den Vers so verstanden, dass es Pflicht für sie ist ihre Gesichter zu bedecken. Dies taten sie aus der Stärke ihres Imans heraus. Deshalb ist es merkwürdig, dass Leute, die behaupten, dass sie Wissen haben, sagen, dass es doch nichts im Qur’an oder in der Sunnah gibt, was den Frauen vorschreibt, ihre Gesichter vor einem Nicht-Familienmitglied zu verbergen, wenn dies doch die Tat der Frauen der Sahaba war.“ (‘Adwa al Bayan 6/594)

Auch Sheikh al Islam Ibn Taymiyyah sagt:

„Der Unterschied der Kleidung von Mann und Frau liegt darin, dass in den Befehlen nur Gutes für sie (die Frauen und auch die Männer) vorhanden ist. Den Frauen ist es also befohlen sich zu bedecken und zu verhüllen. Sie sollen sich nicht offen zeigen und fernbleiben von Freizügigkeit.” (Majmu’ al Fatawa 22/148)

 

Wie viele weitere Ahadith gibt es, die die Pflicht des Hijabs für die Frauen offenlegt? Jedoch wollen wir uns zunächst hiermit zufrieden geben. Diese sollten ausreichen, um zu zeigen, dass das Thema sehr wohl im Qur’an und in den Ahadith behandelt wird, anders als viele Islam-Gegner zu behaupten versuchen, es wird nicht angesprochen. Was das Bedecken des Gesichts angeht gibt es Meinungsunterschiede. Hierauf möchte ich jedoch nicht eingehen.

Das Thema, welches mich jedoch beschäftigt ist die Art und Weise, wie man über Frauen und junge Mädchen denkt, die den Hijab nicht zu praktizieren begonnen haben. Man denkt, sie würden ihren Körper, ihre Reize zur Schau stellen wollen. Man denkt über sie schlecht und sieht sie als medienmanipulierte Wesen, die der Männerwelt gefallen wollen. Man sieht einen weiblichen Körper und nichts dahinter. Man sieht eventuelle innerliche Kämpfe nicht, sieht nicht, die Hürden, die die Mädchen überwinden müssen. In welch einer einfachen Gedankenwelt man sich befindet, dass man nur sieht, was man sehen will.

Und wie viele Frauen gibt es, die den Hijab tragen, es aber nicht aus freien Stücken tun? Frauen, die vom Staat, von der Gesellschaft, von der Familie, von dem Ehemann gezwungen wurden, es selber aber nie wollten. So sagte eine Bekannte: „Mir gefällt es nicht. Wäre ich nicht im Iran aufgewachsen, hätte ich es niemals getragen. Ich finde, es sollte entweder jede Frau den Hijab praktizieren, oder keine.“ Wer hätte das gedacht? Nicht immer sagt die Verpackung etwas über den Inhalt aus.

Mädchen, die sehr früh damit angefangen haben, meist schon im Kindesalter, wissen oft nicht, was die tiefe Bedeutung dahinter eigentlich ist. Sie haben es an ihren Müttern, an ihren Tanten und an den Cousinen gesehen und wollten ihnen nachahmen. Oder die Eltern haben den Wunsch geäußert und die Mädchen sind dem nachgegangen. Ich kenne leider viele, die im Laufe der Zeit gänzlich auf die Bedeckung verzichtet haben, da man nie gelernt hat, welchen islamischen Hintergrund es hat. Es wurde immer als Teil der Kultur gesehen und so aufgenommen, was falsch ist.

Auf der anderen Seite: wie viele Mädchen gibt es, die anfangen wollen, den Hijab zu praktizieren? Sie werden jedoch aufgehalten von der Familie, von Bildungsinstitutionen. Sie haben innerliche Kämpfe, befinden sich im Jihad mit dem eigenen Nafs und haben ihn noch nicht bezwungen. Jeder von uns hat in irgendeinem Bereich des Lebens mal einen inneren Kampf gehabt. Man will sich für Deen entscheiden, hat jedoch noch nicht den Mut dazu der Dunya abzusagen. Wie viele Familien gibt es, die nicht praktizieren und ihren Töchtern und Söhnen das Gebet und das Fasten verbieten, geschweige denn die islamische Bedeckung. Ich selber komme aus einem Haushalt, in dem die Religion als sehr nebensächlich gesehen wird. Praktiziert wird nur an Ramadhan, wenn überhaupt. Man ist mehr auf die Kultur fixiert. Von islamischer Bedeckung keine Sicht. Es war ein großer Kampf den Eltern in dem Aspekt den Rücken zu zeigen und mit dem Praktizieren des Hijabs anzufangen. Und mit jedem Tag hat man mehr gelernt, hat man mehr praktiziert. Ich kenne Schwestern, die sagen, dass sie erst mit dem Hijab beginnen wollen, wenn sie „fehlerfrei“ sind. Sie wollen erst die Gebete pünktlich verrichten können, sie wollen erst das Lügen vermeiden und aufgeben, sie wollen erst die gute Rede lernen und sich komplett auf Deen konzentrieren und dann, als i-Tüpfelchen, den Hijab praktizieren. Aber ich frage mich: Ist das die korrekte Vorgehensweise? Ich habe gemerkt, dass ich durch mein islamisches Auftreten viel selbstbewusster geworden bin. Ich habe mich selber jede Minute als Muslima, als Gottes Dienerin erkannt und habe versucht immer dementsprechend zu handeln. Der Hijab kann eine Erinnerung für jede Frau sein. Eine Freundin hat mal (sinngemäß) gesagt: „Der Hauptgrund für den Hijab ist: Allah hat es so vorgeschrieben. Weitere Gründe sind positive Nebeneffekte“ Es schützt vor Blicken. Es zeigt, dass man sich zur Religion bekennt und man wird als Muslima erkannt. Wie schön es nur ist, wenn man einer weiteren Glaubensschwester auf der Straße den Salaam gibt oder diesen von ihr bekommt. Das war eine der schönsten Erfahrungen, die ich in den ersten Tagen gemacht habe. Zudem zeigt es, dass man nicht auf das Äußerliche reduziert werden möchte. Frauen sind keine Objekte (der Begierde), sondern intellektuelle Wesen. Es zeigt dem anderen Geschlecht seine Grenzen an und verdeutlicht den Wert der Frau.

Und wie viele Schwestern gibt es, die den Hijab „praktizieren“, es aber doch nicht tun. Schwestern, die ein Kopftuch tragen und dabei enge Jeans anziehen, sich aufreizend schminken, sich parfümieren, unbedenklich rauchen, mit dem anderen Geschlecht offen spaßen, die Augenbrauen zupfen, kurze Sachen anziehen etc.

Es wurde berichtet, dass der Prophet ﷺ sagte:

„Es gibt zwei Arten der Bewohner der Hölle, die ich noch nicht gesehen habe: Männer mit Peitschen wie die Schwänze von Rindern, mit denen sie die Menschen schlagen, und Frauen, die bekleidet und doch nackt sind, mit einem verführerischen Gang laufen und mit etwas auf ihrem Kopf, das aussieht wie der Höcker von Kamelen, sich auf eine Seite neigend. Sie werden niemals das Paradies betreten oder auch nur dessen Duft riechen, obwohl sein Geruch aus Der-und-Der Entfernung wahrgenommen werden kann.“ (Ahmad & Muslim)

Ibn Mas’ud sagte:

„Allah verfluchte diejenigen Frauen, die andere Frauen tätowieren, sich tätowieren lassen, Haare von ihren eigenen Augenbrauen oder von den Augenbrauen anderer Frauen auszupfen, ihre Zähne abfeilen lassen, um deren Zwischenräume kosmetisch zu vergrößern, und dadurch Allahs Schöpfung zu ändern pflegen.“ Dann sagte er: „Sollte ich nicht diejenigen verfluchen, die der Gesandte Allahs (Frieden und Segen Allahs seien auf ihm) verfluchte, wenn im Qur’an steht (ungefähre Bedeutung): ‚[…] Und was euch der Gesandte gibt, das nehmt, und was er euch verwehrt, das lasst sein […]’ (Sure  59, Vers 7)” (Fatawa al-Lajnah al-Da’imah, 5/179)

Abu Sa’id al-Khudri berichtet, dass Muhammad ﷺ gesagt hat:

„Jede Frau, die an Männern vorbeigeht und diese an ihr Düfte wahrzunehmen können, ist so und so.“ So sagte es der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken. Der Überlieferer dieses Hadith hat gesagt: „Das heißt, sie ist eine Unzucht-Treiberin.” (Abu Dawood, 4173; Al-Tirmidhi, 2786)

Niemand von uns hat das Recht über eine Schwester zu urteilen, die kein Hijab trägt. Gebe ihr Da’wah und helfe ihr, den richtigen Weg zu erkennen, meide es jedoch, schlecht über sie zu reden. Nur Allah weiß, was in ihrem Herzen verborgen liegt. Sie mag sich vielleicht (noch) nicht bedecken, jedoch kann sie mehr Pflichtgebete aufweisen, als du. Du magst dich vielleicht bedecken, aber du denkst schlecht über deine Geschwister, verbreitest schlechte Rede, verbreitest bei deinen Glaubensschwestern nicht den Salaam, bist hochmütig und denkst, du seist besser als sie, weil dein Stoff länger ist, weil du Niqab trägst, statt („nur“) Hijab oder weil du mehr Juz’ auswendig kannst, als deine Nachbarin.

Möge Allah uns alle rechtleiten und uns das Praktizieren leicht fallen lassen. Möge Er unsere Herzen reinigen von Schlechtem und möge Er den Schwestern helfen, die den Hijab praktizieren wollen, aber daran gehindert werden. Möge Allah uns helfen, unsere Niyya rein zu halten und unser Handeln rein nach seinem Wohlgefallen auszurichten. Möge Er die Ummah vereinen und den Hass, die Arroganz, sowie die schlechten Eigenschaften aus unseren Herzen nehmen. Allahumma Ameen!

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