«

»

Dez 23

Interview mit wfaa – So werden Menschen respektiert

Interview mit Frau Schmidt, Pressesprecherin der wfaa

Ich war neulich in den Düsseldorfer Arcaden und zwar in einem Laden im Untergeschoss. Dort wollte ich Spielzeuge für mein Kind kaufen. Der Laden heißt “Spielwelt”. Mir ist aber aufgefallen, dass irgendetwas anders ist. Dadurch bin ich auf die wfaa, die “Werkstatt für angepasste Arbeit”, aufmerksam geworden.wfaa11

ALKANTARA: Guten Tag Frau Schmidt, ich begrüße Sie ganz herzlich im Namen des Teams. Wir möchten gerne mehr über die wfaa erfahren.

Frau Schmidt: Hallo, ja gerne. Die “Werkstatt für angepasste Arbeit” (wfaa) ist eine anerkannte Werkstatt für Menschen mit Behinderung. In den Düsseldorfer Arcaden, wo Sie waren, ist einer unserer Verkaufsstellen für die Eigenprodukte. Neben der “Spielwelt” in den Arcaden haben wir hier, wo wir sitzen, den “Cafe am Südpark” und den “Hofladen” direkt nebenan und wir betreiben auch den Online-Shop. Die wfaa bietet 1540 Arbeitsstellen für Menschen mit Behinderung in Düsseldorf.

Das ganze verteilt auf 7 Betriebsstätten. Der Hauptsitz ist in der Marienburger Strasse in Düsseldorf-Hassels. Dort befindet sich auch der Aufnahmebereich (Berufsbildungsbereich) für Menschen mit Behinderung aber auch der Metallbau und zusätzlich der Montage- und Verpackungsbereich.

 

ALKANTARA: Sind da nur Menschen aus Düsseldorf oder auch aus der Umgebung?

Frau Schmidt: Wir sind gesetzlich auf das Stadtgebiet begrenzt. In Neuss und in Mettmann gibt es jeweils auch eine Werkstatt. Eigentlich auch in jeder Stadt oder in jedem Kreis gibt es eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Die Werkstatt in Düsseldorf ist eine reine Arbeitsstätte. In anderen Städten gibt es komplexere Einrichtungen, wo auch Wohnungen und Frühförderungsmöglichkeiten vorhanden sind. Wir kooperieren aber gerne mit den anderen Institutionen. Hier setzen wir in der Betriebstätte Südpark, eine ehemalige Bundesgartenschau Gelände. Hier arbeiten rund 200 Menschen mit Behinderung. Wir sind seit dem 01.01.1988 hier tätig.

 

ALKANTARA: Was wird hier genau von den Menschen mit Behinderung gemacht?

Frau Schmidt: Jeder Arbeitsplatz wird hier den Menschen mit Behinderung angeboten, in dem Maße, in dem sie dazu in der Lage sind. Bei uns gibt es alle Formen der Behinderungen, also geistigbehinderte, sinnesbehinderte, körperlichbehinderte und Menschen mit psychischer Behinderung.

 

ALKANTARA: Es gibt aber unterschiedliche Grade der Behinderung.

Frau Schmidt: Genau. Ab 20% Grad der Behinderung bekommt man einen Schwerbehindertenausweis. Nicht jeder will ihn haben. Manche lehnen den ab und sagen das ist ein Stigma, das will ich nicht, aber wenn man den hat, dann hat man 5 Tage mehr Urlaub im Jahr. So ist es gesetzlich vorgeschrieben. Die Grenze hier ist, dass man den Mindestmaß an wirtschaftlich verwertbarer Arbeit erbringen muss, sodass Menschen mit Schwerstbehinderungen auch bei uns mitintegriert sind. Das sind Menschen, die teilweise nur mit einer Handreiche einen Arbeitsschritt machen können. Nach der Fähigkeit der Menschen mit Behinderung und deren Fähigkeiten und Neigungen wird auch der Arbeitsplatz gesucht.

 

ALKANTARA: Haben Sie auch Menschen mit Down-Syndrom?

Frau Schmidt: Ja.

 

ALKANTARA: Wie wird das ganze finanziert?

Frau Schmidt: Die Menschen mit Behinderung bekommen zum einen vom Staat die Sozialleistung, weil sie nicht erwerbsfähig sind. Das wird ärztlich geprüft und sie bekommen dann die sog. Grundsicherung. Die Werkstatt bekommt für die pädagogische Betreuung eine Finanzierung. In der Regel ist die Agentur für Arbeit der Kostenträger. Dies gilt in den ersten 2 Jahren. Nach den ersten 2 Jahren wechselt der Mensch vom Training- in den Produktionsbereich. Hier ist der Kostenträger der Landschaftsverband Rheinland als übergeordneter Träger der Sozialhilfe. Außerdem bekommen wir Geld von den Kunden für unsere Produktion bzw. Leistung. Wir bieten Arbeit in folgenden Bereichen an: z.B. Garten, Gastronomie, Mailing und Versand, Metallbau, Schreinerei uvm.. Also unsere Einnahmen stammen aus den obengenannten Kostenträger und vom Kunden. Am Ende bleibt nach Abzug aller Kosten Geld übrig. Der Gesetzgeber sagt, dass 70% des Geldes an die Beschäftigten als Entgelt ausgezahlt werden muss. Das ist das Geld, was die Menschen mit Behinderung letztendlich neben der Grundsicherung bekommen.

 

ALKANTARA: Welche Gefühle haben die Betreuer, die hier arbeiten?

Frau Schmidt: Es macht Freude zu sehen, wie stolz die Menschen sind, etwas neues erlernt und gekonnt zu haben. Man freut sich zu sehen, wie begeistert und motiviert sie sind. Natürlich gibt es welche, die bisschen anstrengender als andere sind. Das gehört aber dazu.

 

ALKANTARA: Wie werden Menschen mit Behinderung generell angesehen. Bestehen Vorurteile?

Frau Schmidt: Inklusion ist ein riesen Thema. Es wird also angestrebt, dass Menschen schon mit dem Kindergarten direkt in die Gesellschaft integriert werden. Es gibt viele Menschen, die hier her aus Prinzip kommen. Wir erleben ganz viel Zuspruch und positive Resonanz. Wir haben auch viele, die bei uns ihr freiwilliges Soziales Ökologisches Jahr machen. Die freuen sich in der Regel sehr, bei uns beschäftigt gewesen zu sein. Die sagen: Das grüne ist schön. Aber dass ich Kontakt zu den anderen Beschäftigten hatte, das war echt klasse. Das bereichert.

 

ALKANATARA: Wie wirkt sich die Beschäftigung auf die Menschen mit Behinderung? Wird das Selbstwertgefühl gesteigert? Wie fühlen sich die Beschäftigten?

Frau Schmidt: Unsere Beschäftigten möchten keinen Mitleidbonus, sondern sie wollen durch Leistung überzeugen. Die Beschäftigung steigert ihr Selbstwertgefühl enorm und macht sie glücklicher.

 

ALKANTARA: Wir bedanken uns ganz herzlich bei Ihnen.
Frau Schmidt: gerne

1 Kommentar

  1. Andy

    Macht weiter mit Interviews das ist immer interessant

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>