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Jan 04

Kunst und Islam – Darf Kunst alles?

Kunst und Islam – Darf Kunst alles?

Bevor wir sagen können, was die Kunst darf, müssen wir zuerst wissen, was Kunst ist. Selbst diese Frage zu beantworten, ist schwer genug. Die Kunst kann man nämlich nicht eingrenzen. Während der Zeit des Naturalismus bedeutet Kunst, die Wirklichkeit perfekt abbilden zu können. Menschen wie Monet, die in ihrer Malerei Gefühle und Eindrücke darstellen wollten, wurden anfangs ausgelacht. Erst viel später sah man in ihm einen großen Künstler des Impressionismus. Die Kunstgeschichte zeigt, dass Kunst entsteht, wenn vorherrschende Definitionen gebrochen werden. Heute ist Kunst so vielfältig geworden, dass letztendlich das Kunst ist, was der Künstler als Kunst bezeichnet. Kunstfreiheit wird hier im Westen hoch gepriesen. Keiner darf ihr vorschreiben, wie sie auszusehen hat, und keiner darf ihr verbieten, sich zu zeigen. Kunst ist im Prinzip uneingeschränkte Freiheit.

Und uneingeschränkte Freiheit darf es nicht geben. Denn so können Verbrechen im Deckmantel der Kunst begangen werden. Ein Beispiel dafür ist der Antisemitismus in der Kunst. Selbst vor der NS-Zeit gab es Postkarten, auf denen Vorurteile gegenüber Juden gezeigt wurden. Einige große „Künstler“, wie der deutsche Komponist Richard Wagner, waren antisemitisch und haben es auch in ihren „Kunstwerken“ zum Ausdruck gebracht, z.B. der Aufsatz „Das Judentum in der Musik“, in denen Sätze stehen wie „Der Jude ist nach dem gegenwärtigen Stande der Dinge dieser Welt wirklich bereits mehr als emanzipiert: er herrscht, und wird solange herrschen, als das Geld die Macht bleibt, vor welcher alles unser Tun und Treiben seine Kraft verliert“. Kunst kann Menschen – in diesem Fall – negativ beeinflussen. So wurde Wagner Hitlers größtes Vorbild.

Ständig wird einem gesagt, niemanden mit Vorurteilen zu begegnen. Das sei nämlich nicht gerecht. Man verhält sich einfach anders gegenüber Personen, gegenüber die man Vorurteile hat. Ein Beispiel: Bei einem Versuch der Universität Konstanz wurden 1000 fiktive und fast identische Bewerbungen an Praktikumsstellen für Wirtschaftsstudenten verschickt – der einzige Unterschied: einige Bewerbungen waren mit türkisch/arabischen Namen versehen. Die Bewerber mit diesen Namen haben 14% weniger Antworten als die „deutschen“ Bewerber erhalten. Hier sieht man, wie stark Diskriminierung noch vorhanden ist. Und die „Kunst“, welcher sich der Vorurteile des geizigen Juden oder des radikalen Moslems bedient, verschlimmert die Situation.

Es ist keine Form der Stärke, Schwächere zu demütigen. Unter „Schwächere“ sind die Menschen zu verstehen, die sich von „Kunstwerken“ beleidigt fühlen, sich aber nicht aufgrund ihrer Stellung und Mitteln verteidigen können. Anders als ein großer „Künstler“, der viele Kontakte hat und die Möglichkeit hat, seine provokante „Kunst“ einer breiten Masse zu veröffentlichen, kann der einfache Bürger seine Meinung nicht im selben Maße wie der große „Künstler“ äußern. Zusätzlich wird vom einfachen Bürger, der sich womöglich zutiefst beleidigt fühlt, Toleranz für die provokante „Kunst“ verlangt, was eigentlich nichts anderes als Gleichgültigkeit und damit das Aufgeben der eigenen Ehre bedeutet. Beispiel: Ein gläubiger Christ muss ständig mit ansehen, wie seine Religion durch Jesus-Karikaturen oder Filmen wie „Das Leben des Brian“ von Monty Python diffamiert wird. Dagegen etwas sagen kann dieser gläubige Christ nicht. Denn sonst würde er als „unkulturell“, „nicht zeitgemäß“ usw. gelten. Man würde ihn nicht einmal ernst nehmen, falls er etwas sagen will. Freiheit generell heißt Verantwortung übernehmen. Man kann nicht einfach das tun, was einem gerade in den Sinn kommt. Durch Globalisierung rücken Menschen immer mehr zusammen. Um Konflikte zu vermeiden, ist gegenseitiger Respekt von Nöten.

Überhaupt wäre eine uneingeschränkte Freiheit theoretisch nie möglich: Gäbe es keinen Staat, keine Regeln, herrsche nach Hobbes ein Krieg „jeder mit jeden“. Da alles erlaubt ist, kann eine Person jederzeit eine andere Person, die ihn gerade beleidigt hat, umbringen. Der Mensch ist nämlich darauf erpicht, sein Hab und Gut, seine Sicherheit und sein Ansehen zu erhalten und auszuweiten. Er kennt keine Grenzen, um seine Ziele zu verwirklichen. Er muss in permanenter Angst leben, weil auch andere genauso rücksichtslos sind, wie er selbst. Aus diesem Grund braucht „Kunst“ Schranken.

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