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Jan 31

Muhammad Abdelkarim Alkhattabi – Vorbild für die Mujahedien und Freiheitskämpfer

Am 22. Mai 1947 hat ein australisches Schiff namens „Katoomba“ eine Tankpause im Hafen von Aden im Jemen gemacht.

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Einige der Männer, die auf dem Schiff waren, sind rausgegangen, um sich die Stadt kurz anzuschauen, da sie eine sehr lange Reise hinter sich hatten.

Einer der wichtigsten Persönlichkeiten in Aden namens Al Adhal wollte diese Männer kennenlernen. Als er gewusst hat, wie sie heißen, und wer ihr Vater ist, war er schockiert.

So ist der ganz schnell zum australischen Schiff gegangen, um nachzufragen ob das stimmt, dass diese Männer wirklich so heißen.

So als er auf dem Schiff war, hat er unter anderem einen älteren Mann dort gesehen. Er fragte ihn wie er heißt. Als er den Namen gehört hat, konnte er kaum glauben, dass er diese große Ehre hat, diesen Mann persönlich zu treffen.

Dieser Mann war einer der wichtigsten Mujahideen und Freiheitskämpfer.

Nach kurzer Zeit wurde einen Geheimdienst-Telegraph von Aden nach Kairo geschickt: „AMIR MOHAMED ABDULKARIM ALKHATTABI LEFT ADEN 23.05.47 KATOOMBA“

Unterschrift: Al Adhal

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Daraufhin wurde einen Brief von Kairo an dem damaligen König von Ägypten „Farouk“ geschickt. Inhalt dieses Briefes wörtlich: „Ich hab gerade einen Telegraf von Aden bekommen, dass der Amir Mohammed Abdel Karim, Amir des Rifs in Marrakesch und der Gefangene von Frankreich in Réunion Insel seit 20 Jahren, jetzt auf dem Weg zu seinem neuen Exil im Süden von Frankreich, und sein Schiff wird morgen Dienstag in Suez-Hafen ankommen. Seine Befreiung ist abhängig von einem Signal eurer Majestät. Frankreich hat keine Macht über ihn außer die Macht eines Entführers auf den Entführten, denn er ist kein Franzose und solange das Schiff in unserem Gewässer ist, so ist er unter der Macht vom Bürgermeister von Suez rechtlich gesehen. Das edle Ansehen eurer Rolle in den Augen der islamischen Welt hat mich dazu gebracht eure Majestät von diesem Anliegen zu benachrichtigen“.

Unterschrift: Mohammed Ali Attaher

Präsident des palästinensischen Komitees in Ägypten

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Was haben die Palästinenser mit der Sache zu tun??Das wissen wir nicht. Es ist auch unwichtig, denn es geht um Gerechtigkeit und Gerechtigkeit kennt keine Grenzen und schon gar nicht Sykes-Picot-Grenzen.Als der König Farouk diesen Brief gelesen hat, hat er entschieden, den Amir Alkhattabi zu befreien. Das hat er zusammen mit Abdurrahman Azzam Pasha, der damalige Chef der arabischen Liga. Daraufhin war die damalige Kolonialmacht Frankreich sehr verärgert und hat heftig protestiert.
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Nun möchten wir wissen, wer diese großartige Persönlichkeit genau ist? Wer ist Alkhattabi? Dafür sollen wir etwas zurück in die Vergangenheit. Im Jahr 1883 ist Mohammed Abdel Karim Alkhattabi in einer Amazigh-Familie in Ajdir (Agdir) geboren.

So hat der Vater Alkhattabi seinen Sohn Mohammed schon vom Kind an gut erzogen und er hat ihn später an die Universität von Al Qarawiyen in Fes im Jahr 1902 geschickt, wo er die Sprache und Religion gelernt hat.

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So hat Mohammed Koran, Hadith und Fiqh gelernt.

Diese Zeit war eine heikle Zeit, da die Kolonialmächte dieses Land ausbeuten wollten. So haben sich zwölf Länder im Jahr 1906 in Algeciras getroffen, um das Nord-West-Afrika-Kuchen zu teilen. In diesem Jahr war es das erste Mal, dass sich die USA in den weltlichen Angelegenheiten einmischt weil das bis dato ein Tabu war.

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So haben sich vor allem Frankreich und Spanien das jetztige Marokko und Mauretanien geteilt, wie es auf dem Bild st zu sehen ist.  Gelb für Frankreich und Rot für Spanien.
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Ab 1906 arbeitete Muhammad Abdelkarim im Büro für Eingeborenenangelegenheiten in Melilla, als Herausgeber der arabisch-sprachigen Beilage der Zeitung Rif-Telegramm, danach als Richter für das Melilla-Gebiet. Im Jahr 1916 wurde er von den Kolonialmächten für 1 Jahr verhaftet, da er sich mehrfach gegen die Besatzung geäußert hat.
Damals waren die Menschen in Marokko politisch sehr schwach und sehr zerstritten, so dass es ziemlich leicht war für die Kolonialmächte, das Land zu kontrollieren, aber ein Mensch hat da eine andere Meinung, Alkhattabi.
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So hat er und sein Sohn versucht, die unterschiedlichen Stämmen zu einigen und unter einer Flagge zu arbeiten, denn damals waren die Stämme auch unter sich sehr stark zerstritten. Zudem hat er auch noch einen Brief an den osmanischen Kalifen geschickt und ihn um Hilfe gebeten.

 

Rif-Krieg und der Tod des Vaters von Alkhattabi

Im Jahre 1920 während des Rif-Kriegs mussten die spanischen Truppen viele Verluste hinnehmen. In der Zwischenzeit haben die spanischen Soldaten den Alkhattabi, den Vater, durch Gift getötet. Es wurde jemanden festgenommen, der mutmaßlich den Alkhattabi vergiftet haben soll. Muhammad Abdelkarim hat gefragt, ob es einen Beweis gibt. Als die Tat nicht bewiesen konnte, wurde der mutmaßliche Mörder frei gelassen.

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Alkhattabi und seine Kämpfer haben den Guerilla Krieg neu erfunden. Selbst die Freiheitskämpfer der ganzen Welt haben von seinen Taktiken gelernt.

Fidel Castro nannte Abdelkarims Guerillataktiken Vorbild für Che Guevara, Mao Zedong und Ho Chi Minh (im Bild unten).

Außerdem hat das Ein-Mann-Tunnel Taktik (sehe das Bild unten) erfunden, so dass die Verluste in den eigenen Reihen am geringsten bleiben, wenn der Feind die Tunneln mit Bomben angreift.

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Die spanischen Truppen haben unter diesem Guerillakrieg sehr viel verloren, so dass der König in Spanien entschieden hat, diesen Widerstand mit jedem Preis zu beenden. So hat er seinen Freund General Silvestre (im Bild unten) nach Marokko geschickt um Alkhattabi und seine Kämpfer zu vernichten.

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Im Jahr 1921 hat Alkhattabi eine kleine Armee von 3000 Menschen gebildet. General Silvestre ist nun entschlossen, Alkhattabi zu besiegen. Die beiden Seiten haben sich in Kampf um Annual getroffen. Ein unvergessener Name, ein Stolz für Alkhattabi und seine Kämpfer, und eine Katastrophe für die spanische Armee. Dort trafen sich auf der einen Seite die spanische Armee mit 60.000 Soldaten mit guten Waffen im Vergleich zu 3000 Mann auf der anderen Seite mit schlechteren Waffen. Hier kann man etwas Interessantes nennen und zwar das Alkhattabi niemals Waffen vom Ausland geholt hat. Man hat ihn danach gefragt, er antwortete: „meine Waffen sind die Waffen des Feindes und meine Aufgabe ist zu kämpfen und ihre Waffen zu nehmen“, und das hat er erfolgreich getan.

 

Das Ergebnis des Annual-Krieges war ein Schock für die ganze Welt. Alkhattabi hat den Krieg klar gewonnen, obwohl er so wenige Soldaten und Waffen hatte. Es starben zwischen 8000 und 18.000

spanische Soldaten. Selbst General Silvestre war unter den Toten. Die ganze Welt ist nun erschüttert.

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Darauf hin hat er große Teile des Rifs befreit, so dass die spanischen Soldaten nur noch die Stadt Melilla als letzten Fluchtort hatten. Hier hat er entschieden zu nicht weiter anzugreifen. Im Nachhinein bereute er diese Entscheidung, dass das ein taktischer Fehler war. Die Stadt Melilla ist bis heute besetzt

Nach diesem großen Sieg hat Alkhattabi einen kleinen Staat gegründet, namens Rif-Staat bzw. der islamische Rif-Staat mit eigener Währung.

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Er hat diesen Staat fünf Jahre lang regiert (Das Gebäude, von wo er regiert hat, s. das Bild unten) und für gute Bildung und gute Infrastruktur gesorgt. Er hat die zerstrittenen Stämmen wieder vereinigt. Er wurde als Symbol für die Freiheit und Inspiration für Freiheitskämpfer gefeiert.
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Da Alkhattabi spanisch sprechen konnte, hat er einen offenen Brief (s. das Bild unten) auf Spanisch an die spanische Bevölkerung geschrieben. Drin stand, dass er nichts gegen die Spanier hat, sondern lediglich etwas gegen die Soldaten die sein Land besitzen wollen und ihm die Freiheit rauben wollen.
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Die Kolonialmächte konnten es nicht mehr gedulden, dass Alkhattabi weltweit als Freiheitskämpfer gefeiert wird, und dass er erfolgreich einen Staat gegründet hat. So hatten sich mehrere Großmächte gesammelt, Großbritannien Spanien, Deutschland und Frankreich. Diese 4 Mächte hatten ein einziges Ziel, Alkhattabi zu besiegen. Es waren 500 000 Soldaten für diesen Endkampf rekrutiert. Dieses Mal  haben sie aus der Niederlage in Annual gelernt, deswegen haben sie es nicht noch mal mit einem traditionellen Krieg versucht sondern aus der Luft. Im Jahr 1926 wurde der junge Staat heftig angegriffen und es wurden Chemie-Waffen eingesetzt.

Der Einsatz von Senfgas stellte einen Bruch der Haager Landkriegsordnung dar. Die Verseuchung mit Senfgas führte dazu, dass das Gebiet um Al-Hoceima auch heute noch die Lungenkrebsstatistik in Marokko anführt. Der Sieg wurde um den Preis einer nachhaltigen Kontamination weiter Gebiete errungen und kostete Tausenden Menschen das Leben. (Quelle: Das Buch von Dirk Sasse: Franzosen, Briten und Deutsche im Rifkrieg 1921–1926. Spekulanten und Sympathisanten).

Tausende von unschuldigen Menschen wurden also brutal getötet. Haben die Kolonialmächte einen einzigen Cent Entschädigung bezahlt? Nein.

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Selbst bis heute berichten einige, dass es in Nord-Marokko deutlich mehr Menschen an Krebs erkranken als Süden. Ob es genau daran liegt, können wir nicht prüfen. Die Mujahideen haben es lange verhindert, dass die Soldaten den Staat von der Nordküste angreifen. Nach dem ausgedehnten Einsatz der Chemie-Waffen konnten einige der 500 000 Soldaten den Staat betreten. Es waren auch Tausende von Verrätern, die auf der Seite der Kolonialmächte gekämpft haben. Das ist leider eine bittere Wahrheit. Mit Verrätern in den eigenen Reihen muss man leider rechnen.

Nun ist es unklar wie es weitergegangen ist. Entweder hat Alkhattabi entschieden sich zu ergeben um Tausenden von Menschen zu retten, da er gesehen hat, dass dieser Krieg vor allem gegen ihn ist. Andere Quellen berichten dass er gefangen genommen wurde. Wie dem auch sei, er wurde durch die französischen Soldaten gefangen genommen. Da er sehr beliebt war, wollten die Franzosen nicht riskieren, ihn zu töten, damit die Menschen nicht erneut revoltieren. So haben sie ihn ins Exil geschickt. Er lebte dort im Insel Reunion im indischen Ozean über 20 Jahre.

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Er hat dort schwierige 21 Jahre verbracht, bis Frankreich entschieden hat, ihn zu einem anderen Exil in Südfrankreich zu verlegen. Auf dem Weg wurde er in Ägypten befreit, wie wir am Anfang der Geschichte erzählt haben. So hat er in Kairo die restlichen Jahre seines Lebens gelebt. Er wurde von den Freiheitskämpfern der ganzen Welt als Symbol genommen selbst Chi Guivara hat Kairo extra besucht, um mit ihm zu sprechen und von ihm zu lernen.
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Der marokkanische Berg Jebel Abd el-Krim ( 34°3’0″ NORD 5°30’0″ OST) ist nach Abd el-Krim benannt. Ebenso die Rue Abd el-Krim in Sainte-Clotilde (einem Stadtteil der Hauptstadt Saint-Denisauf Réunion
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Er hat viele berühmte Sprüche, hier sind einige davon:

  • Ich verstehe nicht, wie sie sich immer gegen Versklavung von einzelnen Menschen einsetzen aber die Versklavung von ganzen Völkern legitimieren.
  • Wir leben in einer Welt, wo das Recht verloren geht, wenn es keine Stärke (Kraft) gibt, die ihn unterstützt.
  • Der Kampf gegen Kolonialismus ist eine Methode zur Verständigung der Völker.
  • Sie sagten dass sie uns zivilisieren wollen, aber womit? mit den Chemie- und Vernichtungswaffen?
  • Die beste Waffe ist hier (zeigt aufs Gehirn) und hier (Herz)
  • Sieg der Kolonialmächte ist eine Niederlage für uns, egal wo auf der Erde, und Sieg der Freiheitskämpfer ist ein Sieg für uns, egal wo.
  • Über seine Taten sagt er: Kein Sieg, keine Niederlage, Keine Erfolg, Keine Misserfolg, ich nenne es Pflicht und ich habe mein bestes versucht.
  • Beim Thema Freiheit gibt es keine Kompromisse.

 

Am 6. Februar 1963 ist der Amir Muhammad Abdelkarim Alkhattabi in Kairo gestorben. Rahimahu Allah.image image

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