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Feb 09

Welche Rolle spielen die Gene bei Brust- und Eierstockkrebs?

Brustkrebs ist keine seltene Diagnose, mittlerweile wird die Zahl der Neuerkrankungen auf ca. 75.000 für das Jahr 2014 in Deutschland geschätzt [1]. Bei etwa einem Viertel aller Frauen mit Brustkrebs treten vermehrt Brustkrebsfälle in der Familie auf. Dies kann auf eine genetische Ursache hinweisen. Jedoch nur in 5 bis maximal 10% aller Brustkrebsfälle lässt sich ein krankheitsauslösendes Gen nachweisen. Dann spricht man von erblich bedingtem Brustkrebs. Zu den schon länger bekannten sogenannten Brustkrebsgenen zählen BRCA 1 und BRCA 2, in letzter Zeit wurden weitere entdeckt (z.B. RAD51C) [2].

Folgende Faktoren können auf das Vorliegen einer erblich bedingten Brust- oder Eierstockskrebserkrankung hinweisen:[3]
• Eine Häufung von Erkrankungsfällen in Familien
• Frühes Erkrankungsalter
• Das Vorhandensein von Zweittumoren in Brust oder Eierstock

Es ist heutzutage grundsätzlich möglich, mit Hilfe molekulargenetischer Untersuchungen nach derartigen Veränderungen in den Erbanlagen zu suchen. Wird eine eindeutige Veränderung in einem der Gene gefunden, so kann bei jedem ratsuchenden Familienangehörigen nach der entsprechenden Veränderung gesucht werden, um festzustellen, ob diese Genträger (des krankhaft veränderten Gens) sind und somit ein erhöhtes Brust- und Eierstockskrebsrisiko vorliegt. Werden diese Gene nicht nachgewiesen, so kann der ratsuchende Angehörige beruhigt werden.

Wird bei der erkrankten Person in der Familie keine der genannten Genveränderungen BRCA 1 und 2 gefunden, kann leider das Vorliegen einer Erbanlage für Brust- und Eierstockskrebs nicht komplett ausgeschlossen werden, da die genannten Veränderungen nur für 50% der erblichen Erkrankungen verantwortlich sind [3]. (somit 5 bis 10% aller entsprechenden Patienten).

Für eine genetische Untersuchung kommen folgende betroffene Familien in Betracht: [3]
• mindestens 3 Frauen an Brustkrebs erkrankt sind
• mindestens 2 an Brustkrebs erkrankten Frauen, davon 1 mit einem
Ersterkrankungsalter unter 51 Jahren
• mindestens 1 an Brustkrebs und 1 weiteren an Eierstockskrebs erkrankten Frau
• mindestens 1 an Brust- und Eierstockskrebs erkrankte Frau
• mindestens 2 an Eierstockskrebs erkrankten Frauen unabhängig vom Alter
• mindestens 1 an beidseitigem Brustkrebs erkrankten Frau unter 51 Jahren
• mindestens 1 an einseitigem Brustkrebs erkrankten Frau unter 36 Jahren
• mindestens 1 an Brustkrebs erkranktem Mann und zusätzlich 1 Frau an
Brust- oder Eierstockskrebs erkrankt ist

 

Vorsorge/Nachsorge:
An einigen Kliniken Deutschlands umfasst ein intensiviertes Früherkennungsprogramm für Hochrisikopatientinnen mit nachgewiesener BRCA1 oder -2 Mutation bzw. mit einem aus dem Stammbaum ermittelten erhöhten Risiko von über 30% im Verlauf des Lebens an Brust- oder Eierstockskrebs zu erkranken folgende Maßnahmen [4]:

• Ärztliche Tastuntersuchung der Brüste halbjährlich
• Ultraschall der Brüste (Mammasonografie) halbjährlich
• Röntgenuntersuchung der Brüste (Mammografie) halbjährlich
• Kernspintomografie (MRT) der Brüste halbjährlich

Bei gesunden Risikopersonen beginnen diese Untersuchungen für die Brust mit 25 Jahren, bzw. 5 Jahre vor dem frühesten Erkrankungsalter in der Familie. Bei bereits betroffenen Personen werden die gleichen Untersuchungen zur Früherkennung einer zweiten Tumorerkrankung durchgeführt.
Zur Prävention kommt eventuell auch eine prophylaktische Operation in Betracht. Internationale Studien konnten zeigen, dass durch eine prophylaktische Brustdrüsenentfernung oder die prophylaktische Eierstocksentfernung das Risiko einer entsprechenden Erkrankung deutlich reduziert werden kann. Vorher müssen die Vor- und Nachteile sorgfältig abgewogen werden und in der Beratung die aktuelle Situation der Ratsuchenden für die Entscheidungsfindung besonders berücksichtigt werden.

Ein weiterer Ansatz in der Brustkrebsprävention ist die medikamentöse Prävention mittels antihormoneller Therapie, über die ebenfalls informiert wird.

Aktuelle Studie:
Lebensstil-Intervention bei Frauen mit erblichen Brust- und Eierstockkrebs (LIBRE-Studie)
In der LIBRE-Studie wird derzeit überprüft, ob bei Frauen mit erblicher Veranlagung für Brust- und Eierstockkrebs durch eine Lebensstil-Umstellung (z.B. mehr körperliche Aktivität, gesunde Ernährung) das Auftreten des Krebses reduziert oder verhindert werden kann. Ergebnisse stehen noch aus.

[1] Zentrum für Krebsregisterdaten. Brustkrebs.
http://www.rki.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Brustkrebs/brustkrebs_node.html. Abgerufen am 17.01.2014.
[2] Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms. Langversion 3.0, Aktualisierung 2012. Abgerufen am 17.01.2014.
[3] www.uni-heidelberg.de
[4] Empfehlungen der AGO. Guidelines Breast Version 2013.1D. www.ago-online. Abgerufen am 17.01.2014.

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